Bourdaloue
1) Jesuit (1632-1704), seit 1669 Hofprediger Ludwigs XIV. von Frankreich. Wie es heißt, bemühte sich Bourdaloue erfolgreich um die Wiedergewinnung der Protestanten in Südfrankreich. Seine sich oft sehr in die Länge ziehenden Predigten sollen der nachstehend genannten Einrichtung den Namen gegeben haben.
2) Gefäß, in das Frauen in Gesellschaft oder während lang andauernder Messfeiern die "kleine Notdurft" verrichteten. Es ist der weiblichen Anatomie angepasst, besteht meist aus Keramik und hat eine ähnliche Form wie eine Sauciere (Soßenschale). Um die ungenierte Verwendung dieser Annehmlichkeit zu verstehen, muss man den damaligen Zeitgeist in Betracht ziehen. Solche Verrichtungen wurden allgemein sehr freizügig gehandhabt. Die Frauen verwendeten überdies unten offene Unterwäsche, die kein Hindernis darstellte. Häufige Verkühlungen, hervorgerufen durch ungenügend beheizte Räume, schlechte medizinische Versorgung und Hygiene waren weiters ausschlaggebend für Entzündungen und häufigen Harndrang. Abgesehen davon, gab es früher keine Toiletten im heutigen Sinne, nicht einmal in den Palästen. In Sittengeschichten ist nachzulesen, wie schwierig es bisweilen war, im Louvre ein verschwiegenes Örtchen zu finden. Wesentlich einfacher hatten es in der Hinsicht bereits die Römer (* Urinal).
H. NEWMAN, B., in: The Connoisseur CLXXV, 1970, S. 258-264 und CLXXVII, 1971, S. 22-31.
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