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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Chryselephantin , von griech. chrysos, "Gold", und elephantinos, "aus Elfenbein",

Bezeichnung für die aus Elfenbein und Goldblech bestehenden altgriechischen Statuen. Bei ihrer Herstellung wurde zunächst ein dem Standbild entsprechender Holzkern zugerichtet und die sichtbar bleibenden Körperteile mit einer Schicht Elfenbein bedeckt. Die als Kleidung konzipierten Partien der Holzplastik überzog man mit Goldblech und gestaltete das Haar aus dünnem Golddraht. Das vom griechischen Bildhauer * Phidias (tätig 460-430 v. Chr.) geschaffene chryselephantine Standbild des Gottes * Zeus im Zeus-Tempel von Olympia zählte schon in der Antike zu den * Weltwundern.

Die auf einem Thron sitzend gestaltete Statue war auf Grund damaliger Angaben (* Pausanias V, 11,1-10) und den Erkenntnissen moderner archäologischer Forschung 12,375 m hoch, die Breite des Throns betrug 6 m. Diese Maße entsprechen der Überlieferung, wonach der Thron fast ebenso breit war wie die Vorderfront des Sockels, die heutigen Erkenntnissen nach mit 6,65 m angegeben wird. Die Seitenlänge des Sockels soll 9,67 m betragen haben. Seine Höhe ist nicht bekannt, dürfte aber knapp 2 m gewesen sein. Die innere Höhe des Tempels betrug 14,33 m, die Statue reichte also fast bis zur Decke. Das Aussehen der Riesenstatue ist auf Geldstücken aus Elis (Küstenlandschaft des westlichen Peloponnes) überliefert. Eine der Münzprägungen erfolgte auf Anordnung Kaiser Hadrians 137 n. Chr. anlässlich der 230. * Olympischen Spiele. Die Münzen dienten als Vorlage für spätere * glyptische Darstellungen des Zeusmonuments. Das Kultbild befand sich ca. 850 Jahre an seinem ursprünglichen Standort im Zeustempel von Olympia, bis es Kaiser Theodosius II. 426 n. Chr. nach Konstantinopel bringen ließ, wo es 475/476 einem Brand zum Opfer fiel.

Seit Ende 19. Jh. hat ein Bedeutungswandel des Begriffs chryselephantin stattgefunden. Es werden nun auch Objekte als chryselephantin bezeichnet, die aus (vergoldeter) Bronze und Elfenbein bestehen, wie sie besonders im Jugendstil und im Art deco beliebt waren. Diese Elfenbein-Bronze-Kombinationsfiguren haben keinen Holzkern, sondern die Kleidung besteht aus Bronzeguss und die sichtbaren Körperteile (Gesicht, Arme und Beine) sind aus Elfenbein geschnitzt. Pierre Charles Simart zeigte bei der Pariser * Weltausstellung 1855 eine in chryselephantiner Manier gestaltete 3 m hohe Statue der Göttin Minerva. Sie zählte zu den Attraktionen der Weltausstellung und trug wesentlich dazu bei, dass Elfenbein-Bronze-Kombinationsfiguren in der Folge stark in Mode kamen. Bei den meisten chryselephantinen * Kabinettplastiken handelt es sich um Frauendarstellungen.

R. PFEIFFER, The Measurements of the Zeus at Olympia, in: Journal of Hellenic Studies 61, 1941, S. 1-5; E. KUNZE, Olympia, Dt. Archäologisches Institut, Neue dt. Ausgrabungen 1959; A. W. MALLWITZ, Die Werkstatt des Pheidias in Olympia, Berlin 1964; C. I. A. RITCHIE, Modern Ivory Carving, Cranbury, New Jersey 1972; V. ARWAS, Art Deco Sculpture, London 1975; B. CATLEY, Art Deco and other Figures, Woodbridge 1978.


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