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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Clair-obscur , das, französisch, "hell-dunkel", * Helldunkelmalerei, in Malerei und * Graphik verwendeter Terminus für kontrasthafte Hell-dunkel-Effekte.

Abgeleitet vom Begriff der "geschnittenen Kamee", wurde der Clair-obscur-Holzschnitt in Frankreich auch "gravure en camayeux" (Camaïeu-Schnitt) genannt. Beim Clair-obscur-Holzschnitt kam das effektvolle Resultat dadurch zustande, dass der Druck mit zwei oder mehreren Druckstöcken erfolgte. Einer war nur für die Linienzeichnungen und die anderen, die so genannten Tonplatten, für die Dunkelabstufungen bestimmt. Die weiß bleibenden Partien sind wie üblich in den * Holzstöcken eingetieft. Sie nehmen keine Druckfarbe an und entstehen durch das Weiß des als Bildträger dienenden Papiers. Das Verfahren wurde um 1500 erstmals in Deutschland angewendet. Sowohl der Anfang des 16. Jh. in Augsburg etablierte Formschneider Jost de Negker (gest. 1544) - er arbeitete u. a. für H. Burgkmair und L. Cranach - als auch der in Rom und Venedig tätige Ugo da Carpi (um 1450/80-1520/23) nahmen für sich in Anspruch, den Clair-obscur-Holzschnitt erfunden zu haben. J. de Negker erwähnte den Clair-obscur 1512 in einem Brief an Kaiser Maximilian; das früheste U. da Carpi zugeschriebene Clair-obscur ist mit der Jahreszahl 1518 datiert. Vgl. * Chiaroscuro.

W. KOSCHATZKY, Die Kunst der Graphik, München 1988.


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