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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Deutschrömer

1) Bezeichnung für eine Anfang des 19. Jh. in Rom lebende Gruppe deutscher und österreichischer Maler. Ausschlaggebend für die Emigration war der Umstand, dass die * Akademien auf das Kunstgeschehen großen Einfluss nahmen. Wer Erfolg haben wollte, musste eine der Akademien besucht haben, wobei sich die Aktivitäten der Studenten zu Beginn ihres Studiums darauf beschränkten, Gipsabgüsse antiker Plastiken abzuzeichnen und Gemälde alter Meister nach vorliegenden * Stichen zu kopieren. Jeder Studierende musste sich eine Mustermappe anlegen. Gegen diese als zu wenig kreativ angesehenen Routinearbeiten sprachen sich 1806 Johann Konrad Hottinger, Friedrich Overbeck, Franz Pforr, Josef Sutter, Josef Wintergerst sowie Ludwig Vogel aus und gründeten den so genannten * Lukasbund, benannt nach dem Evangelisten Lukas, dem Schutzpatron der Maler.

Trotz des Aufsehens, den der Protest der Künstler erregt hatte, änderte sich an den Gepflogenheiten bei der Ausbildung an den Akademien nichts, was Hottinger, Overbeck, Pforr und Vogel bewog, 1810 nach Rom zu gehen, das damals von den Franzosen annektiert war. Sie fanden Unterkunft in den Mönchszellen des * säkularisierten Klosters Sant' Isidoro am Pincio und malten Gemälde religiösen Inhalts, für die sie zum Teil Werke Raffaels als Vorbild verwendeten. Die Künstler waren von den biblisch-religiösen Bildern so beeindruckt, dass sie ihr Haar nach dem Beispiel Jesu Christi lang trugen. Sie wurden deshalb * Nazarener genannt, von italienisch "alla nazarena (auf Nazarenerart). Overbeck konvertierte sogar zum katholischen Glauben. An Stelle des 1812 verstorbenen F. Pforr stieß Peter v. Cornelius zu der Gruppe. Von ihm stammen die Entwürfe für die von den Nazarenern in dem spätmanieristischen Palast des preußischen Konsuls Bartholdy in Rom gemalten * Fresken mit Darstellungen aus dem Leben * Josefs. Diese Malereien trugen wesentlich dazu bei, dass die Kunst der Nazarener bekannt und geschätzt wurde. Sie erhielten viele Aufträge, u. a. vom Fürsten Camillo Massimo. Aufgrund seiner Fresken-Entwürfe wurde P. v. Cornelius von Kronprinz Ludwig von Bayern 1819 nach München berufen, um die Leitung der dortigen Akademie zu übernehmen. Nach Fertigstellung der Fresken in der Casa Massimo 1827 begab sich auch der seit 1818 den Nazarenern angehörende und auf Fresken spezialisierte Maler Julius Schnorr von Carolsfeld nach München. In Rom zurück blieb nur Overbeck.

2) Vertreter des deutschen Neuidealismus, mit eindeutiger Orientierung an der römischen Antike (* Neoklassizismus). Hauptvertreter waren A. Böcklin und A. Feuerbach.

Lit. 1): F. NOACK, Das Deutschtum in Rom, Stuttgart 1927; G. LAMMEL, Kunst d. Goethezeit, Berlin 1982; In uns selbst liegt Italien, Kat., München 1987.


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