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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Diamant , von griechisch adámas, "unbrechbares Eisen", "der Unbezwingbare", seltener, teurer und härtester * Edelstein.

Seine Schleifhärte ist bis 140 mal so groß wie die von * Rubin und * Saphir. Die * Härte der einzelnen Kristallflächen variiert etwas, was allerdings nur für den Diamantschleifer von Bedeutung ist. Der Diamant besteht aus reinem Kohlenstoff und kristallisiert als Oktaeder und Rhombendodekaeder. In reiner Form ist der Diamant glasklar und stark lichtbrechend. Nur ca. 5 % der in den Hauptfundgebieten in Südafrika, Zaire, Brasilien, Sibirien, Indien und Australien geschürften Steine sind für Schmuckstücke geeignet, und von diesen besitzt wieder nur ein kleiner Teil Spitzenqualität. Die Gewichtseinheit für den Diamant ist das * Karat (1 Karat = 0,2 Gramm). Fast zweieinhalb Jahrtausende (7. Jh. v. Chr. - 17. Jh. n. Chr.) kamen Diamanten aus Indien. Die indischen Diamant-Gruben wurden erstmals von dem Reiseschriftsteller Jean-Baptiste Tavernier in dem Buch "Voyages en Turquie, en Perse et aux Indes" (Reisen durch die Türkei, Persien und Indien) beschrieben, in dem der Autor von seinen Reiseerlebnissen berichtete (1630-1668).

Indische Diamanten sind häufig leuchtendweiß. Durch Goldsucher auf Diamant-Vorkommen in Brasilien aufmerksam gemacht, begannen die Portugiesen 1725 in Brasilien mit dem Abbau. Da die dort gefundenen Diamanten angeblich einen leichten Gelbstich aufwiesen und ihnen deshalb die indischen Steine vorgezogen wurden, sollen die Portugiesen die brasilianischen Steine nach Goa verschifft und dann als indische Diamanten ausgegeben haben. Die Fundstätten in Südafrika sind erst seit 1870 bekannt. Später entdeckte man auch in SW-Afrika, O-Afrika, Australien und Sibirien Diamantvorkommen. Bis zum 15. Jh. wurden die natürlich gewachsenen * Kristalle nur gespalten und gefasst oder auch unbearbeitet gefasst, wie etwa in der * Stephanskrone. Erst durch die Entdeckung des Brügger Steinschneiders Louis van Berquem (1475/76), dass man Diamanten mit Hilfe von Diamantpulver und Schleifscheiben facettieren kann, wurde die Anwendung des bei Bergkristallgefäßen schon länger üblichen * Facettenschliffs möglich. * Benvenuto Cellini berichtete 1568 über die Verwendung von * Spitzsteinen, * Tafeldicksteinen und * Rosendiamanten. Der eigentliche Brillantschliff (* Brillant) wurde Ende 17. Jh. von dem Venezianer V. Peruzzi entwickelt. Heute ist man in der Lage, Diamant zu zersägen.

Nach dem Vorzeichnen der gewünschten Fasson mit Tusche werden Kerben gerieben, in denen dann der Diamantschleifer zu sägen beginnt. Bei modernen Schliffarten wird ein von oben einfallender Lichtstrahl im Steininneren mehrfach reflektiert und zum größten Teil nach oben zurückgeworfen. Alle * Facetten stehen in einem bestimmten Winkel zueinander. Der Physiker Marcel Tolkowsky berechnete 1919 die für die Strahlenbündelreflexion günstigsten Winkel der Facetten. Der Diamantschliff erfolgt heute für gewöhnlich in einer der folgenden sechs Formen: rund (Brillantschliff), oval, rechteckig (* Baguetteschliff), schiffchenförmig (* Marquisenschliff), herzförmig oder tropfenförmig (franz. "poire", zu dt.: Birne). Jeder Schliff besteht neben der oberen flachen (* Tafel) und der untersten kleinsten Facette (* Kalette) aus insgesamt 56 Facetten, die entsprechend der äußeren Form oberhalb und unterhalb der * Rundiste angeordnet sind. Am gebräuchlichsten ist der runde Schliff (* Brillant). In einer älteren Schliffart fassonierte Diamanten werden als * Altschliff-D. bezeichnet. Durch den Schliff verliert ein Rohdiamant im Durchschnitt mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Gewichts.

Wird bei einem Ring nur ein einzelner größerer Stein gefasst, spricht man von einem Solitär. Besonders große und bekannte Diamanten haben Namen. Der größte von ihnen war der "Cullinan", benannt nach dem in der Republik Südafrika liegenden Fundort (1905). Aus dem 3106 * kt schweren Diamant wurden neun große und 96 kleine Brillanten geschliffen. Der Wert eines Diamant hängt nicht nur von seiner Größe und seinem Gewicht ab, sondern auch von der Farbe, der Reinheit und dem Schliff. Daraus ergeben sich die so genannten vier "C": carat, cut, clarity und colour (Karat, Schliff, Reinheit und Farbe). Je geringer die Eigenfärbung, desto besser reflektiert der Diamant das Licht. Besonders begehrt sind farblose Diamanten mit leicht blauem Schimmer, "Blauweiß", englisch "River" genannt und nach der amerikanischen Einteilung D bzw. E bzw. (F+). Die weiteren Abstufungen heißen "Feines Weiß", englisch Top Wesselton und amerikanisch -F bzw. G.; "Weiß", englisch Wesselton, amerikanisch H; "Schwach getöntes Weiß", englisch Top Crystal, amerikanisch I; "Getöntes Weiß", engl. Crystal, amerik. J bzw. K; "Schwach gelblich", engl. Top Cape, amerikan. L bzw. M; "Gelblich", engl. Cape, keine amerik. Bez.; "Schwach gelb", engl. Light Yellow, keine amerikan. Bez. und "Gelb", engl. Yellow, keine amerikanische Bezeichnung.

Auch das Gelb ist nur leicht getönt, weil Diamanten mit einer kräftigen gelben Tönung bereits den Buntdiamanten zugezählt werden. Manche ganz reine Diamanten besitzen eine natürliche satte Tönung von bräunlicher, zitronengelber, rosa, grüner, blauer oder schwarzer Farbe. Diese als "fancy diamonds" (Phantasie- oder Buntdiamanten) bezeichneten Exemplare erzielen bisweilen beachtliche Liebhaberpreise. Der Diamant kann durch Bestrahlung auch künstlich gefärbt werden, was aber nachweisbar ist. Steine, bei denen unter der zehnfach vergrößernden Juwelierlupe keine inneren Spannungsrisse oder Einschlüsse zu sehen sind, gelten als "lupenrein". Vom 18. Jh. bis zur 2. Hälfte 19. Jh. war es üblich, Diamanten in Silber zu fassen, da Silber das beste Reflexionsvermögen hat. Die anderen Teile des Schmuckstücks (Rückseite einer Brosche oder des Ringkopfes sowie die * Ringschiene etc.) fertigte man aus * Gelbgold. Seit dem 19. Jh. wurden die * Fassungen von Diamanten vielfach aus sehr weißem Gold (* Weißgold) bzw. aus * Platin gefertigt. In den 1990er Jahren kamen wieder Gelbgoldfassungen in Mode. Der Diamant wurde im Mittelalter als * Talisman zum Schutz gegen Dämonen verwendet und galt wegen seiner Reinheit als Symbol für Christus und die Jungfrau Maria.

G. LENZEN, Produktions- und Handeslgesch. des D., Berlin 1966; E. BRUTON, Diamonds, Radnor/Pennsylvania 1978; B. WATERMEYER, Diamond Cutting. A complete guide to diamond processing, Johannisburg 1982.


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