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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Ecce homo , lateinisch, "Sehet, (welch) ein Mensch".

Der Terminus Ecce homo geht auf das Geschehnis zurück, dass * Pilatus, der Präfekt der röm. Provinz Judäa, den geschundenen Heiland der Menge mit den Worten "ecce homo" präsentierte (* Johannes 19, 5). Jesus war von Mitgliedern des Hohen Rates zum Tode verurteilt worden. Da die Römer das Land besetzt hielten und die Juden das Urteil deshalb nicht vollstrecken durften, brachten sie Jesus zu Pilatus, der als hart und grausam bekannt war. Der Römer fand an Jesus keine Schuld und wollte ihn deshalb anlässlich des * Passahfestes freilassen, wie er dies jedes Jahr mit einem Gefangenen getan hatte. Da die verhetzte Menge aber lieber den Aufrührer Barabbas frei sehen wollte, wusch Pilatus seine Hände zum Zeichen seiner Unschuld und überantwortete Christus den Soldaten zur * Kreuzigung.

Ecce homo ist der Terminus der Bildenden Kunst für die ab dem 9./10. Jh. nachweisbare und seit dem 15. Jh. häufige Darstellung des stehend wiedergegebenen, gegeißelten und mit * Dornenkrone gepeinigten Gottessohnes, der von * Pilatus dem Volk gezeigt wird. Beim Ecce-homo-Motiv steht Jesus vor der Volksmenge, die lautstark seinen Tod fordert, oder Jesus ist allein stehend dargestellt, in Form eines Ausschnittes des Gesamtmotivs, als * Andachtsbild.

Bisweilen werden die Motive Ecce homo und * Christus in der Rast verallgemeinernd als * Schmerzensmann-Darstellung bezeichnet. Das Ecce homo-Thema unterscheidet sich aber vom Sujet des Schmerzensmannes (* Erbärmdechristus) durch das Fehlen der Kreuzigungswunden. Bei dem Motiv des Schmerzensmannes weist Jesus oft mit einer Hand auf seine Seitenwunde. Bei Bildern aus früherer Zeit handelt es sich nicht, wie oft fälschlich angenommen, um das Ecce homo-Motiv, sondern um die Wiedergabe der Dornenkrönung und der Verspottung durch die Soldaten, wie durch entsprechende Textstellen belegt.

Jesus ist bei diesen Darstellungen immer im Sitzen wiedergegeben, oft mit einem Purpurmantel bekleidet und mit dem Spottzepter in den gefesselten Händen, z. B. in dem um 980 entstandenen * Codex Egberti. Darstellungen des sitzenden * Heilands, der einen Ellbogen auf einem Oberschenkel aufstützt und sein Kinn oder eine Wange gegen die Hand lehnt, sind seit dem 14. Jh. bekannt; auch hierbei handelt es sich nicht um das Ecce homo-Motiv, wie manchmal angenommen, sondern um das mit * Christus in der Rast bezeichnete Sujet, im Volksmund auch "Zahnwehherrgott" genannt.

M. BRAUNECK, Religiöse Volkskunst, Köln 1978; F. BERNHARD, F. GLOTZMANN, Fromme Bilderlust, Harenberg 1980; Christus im Leiden, Kat., Ulm 1985.


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