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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Edo-Zeit , Tokugawa-Zeit (1603-1868), eine der bedeutendsten Kunst- und Kulturepochen Japans.

Ursprünglich war Edo der Name einer Region in Japan. Eine Kriegerfamilie soll im 12. Jh. das Gebiet als Lehen erhalten und den Namen Edo angenommen haben. 1457 wurde eine Burg errichtet und die umgebende Stadt befestigt. 1542 landete der Portugiese Mendez Pinto auf Tanegashima, einer kleinen japanischen Insel, und eröffnete die ersten Handelsbeziehungen zu Japan. Nach der Ankunft des Jesuiten Francisco Xavier 1549 in Kagoshima begann sich der Katholizismus in Japan auszubreiten.

1598 übernahm die Familie Tokugawa die Stadt Edo (heute Tokio) und machte sie zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Japans unter feudal-absolutistischer Führung. Das jeweilige Oberhaupt der Familie Tokugawa führte den Titel Sei-i-tai ("der die Barbaren unterworfen hat".) Der Kaiser war nur Repräsentationsfigur und verfügte weder über finanzielle Mittel noch über Macht. Um die Regionalfürsten zu kontrollieren, wurden diese unter dem Tokugawa- oder Edo-Schogunat gezwungen, einen Teil ihrer Familien in Edo wohnen zu lassen. Offiziell wurde dies als Ehre ausgelegt, in Wirklichkeit aber handelte es sich um eine Form der Geiselnahme. Auch die Fürsten selbst mussten sich auf Anordnung der Schogune zu bestimmten Zeiten am Kaiserhof in Edo einfinden. Offziell, um dem Kaiser ihre Aufwartung zu machen, in Wirklichkeit aber konnte durch diese Einführung das Tokugawa-Schogunat eine bessere Kontrolle über sie ausüben.

Um den Kaiser, der über keine Reichtümer verfügte, nicht zu beschämen, wurden bei diesen Besuchen des Kaiserhofes bisweilen an den Prunkschwertern die sichtbaren Beschläge durch einfache ersetzt. Anfang 18. Jh. hatte Edo 1,3 Mill. Einwohner und war die größte Stadt der Welt. Die Ausübung des von den Portugiesen in das Land gebrachten Christentums wurde verboten, der Handel mit den christlichen Ausländern aber, vor allen mit den Niederländern, ab 1640 forciert. Kunst und Kultur nahmen einen enormen Aufschwung. Aus dem eroberten Korea kamen zahlreiche Töpfer nach Japan, wodurch die Keramikproduktion neue Impulse erhielt, u. a. wurde von China die Fertigung von Porzellan übernommen. Das Zentrum der japanischen Keramikproduktion war Kyoto, von wo aus japanische Keramiken bis nach Europa gelangten. Durch die Koreaner kam auch das Wissen um die Fertigung metallener * Lettern nach Japan, was die Belebung des dortigen Druckwesens und der Literatur entscheidend beeinflusste.

Erwähnenswert ist, dass es eine strenge staatliche Zensur gab. Sowohl künstlerische Holzschnitzereien waren zu der Zeit auf einem hohen Niveau, z. B. geschnitzte Nõ-Masken, wie auch die Holzbearbeitung im Bauwesen, wozu etwa kühne Holzkonstruktionen beim Brückenbau zählten. Die malerische Innendekoration wurde vor allem durch die Kanõ-Schule beeinflusst, deren führender Meister Eitoku war. Auch die Lackkunst erlebte während der Edo-Zeit eine hohe Blüte. Zum Unterschied von der höfischen Kunst, die z. B. durch die Kanõ-Schule vertreten wurde, entwickelte sich seit dem 17. Jh. in Japan auch ein bürgerlicher Nationalstil. Neben den zahlreichen Landschafts- und Tierdarstellungen geben die damals aufgekommenen japanischen * Genremotive gute Einblicke in die Lebensweise des japanischen Volkes. Künstlerisch besonders ausgereift war der japanische * Farbholzschnitt. Schöne Beispiele der Metallkunst sind heute u. a. bei Tsuben (* Tsuba) zu finden. 1868 erfolgte die Übergabe der Stadt Edo an den Kaiser, der ihre Umbenennung in Tokio ("östliche Hauptstadt") verfügte.

O. MÜNSTERBERG, Japan. Kunstgesch., 3 Bde., Braunschweig 1904-07; J. R. HILLIER, Japan. Zeichnungen vom 17. bis zum 19. Jh., Hamburg 1966; J. FONTEIN, R. HEMPEL, China, Korea, Japan, in: Propyläen Kunstgesch., Berlin, NF, Bd. 17, 1968; Shogun: Kunstschätze u. Lebensstil eines japan. Fürsten der Shogun-Zeit. Werke aus dem Tokugawa Art Mus. Nagoya, Kat., München 1984; N. NIKOLAEVA, Aufbruch aus dem MA: japan. Kunst im 16. u. beginnenden 17. Jh., Leipzig 1986; R. VIOLET, Einführung in d. Kunst Japans, Leipzig 1987.


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