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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Empire , französisch, "Kaiserreich",

Bezeichnung für die Herrschaft Napoleons I. (1804-1815) und die zu der Zeit existente Kunstepoche, nämlich die auf * Directoire und * Consulat folgende französische Spielart des * Klassizismus.

Die umgangssprachlich manchmal Napoleon-Stil genannte Kunstform entstand unter Napoleon I. und breitete sich nach 1805 über ganz Europa aus. In Paris wurden zur Hervorkehrung der Monumentalität ganze Stadtviertel neu angelegt, mit geraden langen Straßen und einheitlichen Gebäudefassaden. Tonangebend waren Memorialbauten, oft unter Einbeziehung von Säulenhallen (* Portikus). Zu seinem Ruhm ließ Napoleon 1809 von B. Vignon die Kirche "Madelaine" in Paris zum "Temple de la Gloire" umgestalten. Nach dem Vorbild des Severusbogens in Rom ließ Napoleon 1806/07 für sich in Paris an der Place du Carrousel von Percier und Fontaine einen mit einer * Quadriga geschmückten Triumphbogen errichten und von I. F. Chalgrin den Arc de Triomphe auf der Place d'Etoile. Bisweilen passte man auch bestehende Gebäude durch Umbauten und Ergänzungen dem neuen Stil an. Umgestaltet wurde auch das Interieur vieler Schlösser, etwa das von Fontainebleau und von Malmaison bei Paris.

Neben den imperialen Bauten blieb die repräsentative, von geradlinig-flächig-kühlen Formen beherrschte Architektur mit * antikisierendem symmetrischen Dekor im wesentlichen auf die Häuser des Adels, des hohen Klerus und des reichen Bürgertums beschränkt. Typisch war die Einteilung der Innenwände in abgegrenzte Felder, z. B. mittels Stuckprofilen und Wandspiegeln. Von Frankreich ausgehend, wurde die Architektur ganz Europas vom Empire beeinflusst. Beispielsweise wurden für München und St. Petersburg Generalbebauungspläne erstellt. Viele Plätze wurden im Empire-Stil angelegt, etwa der Marktplatz in Karlsruhe. Besonders stark vertreten war das Empire weiters im Kunsthandwerk, in der Möbelherstellung, in der Goldschmiedekunst und in der Kleidermode (helle, einfarbige, in einer Schleppe auslaufende Empirekleider mit einer Randverzierung aus * Mäander-Ornament).

Häufig wird das Empire als Reaktion auf die Prunkentfaltung des * Barock und des * Rokoko hingestellt und als Stil beschrieben, in dem die Einfachheit dominiert. Die Geradlinigkeit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Gegenstände mit einem aus einfallsreichen Kombinationen bestehenden Dekor versehen sind. Während im Directoire vor allem griechische Motive bevorzugt wurden, waren in der Zeit des Consulat besonders ägyptische Sujets in Mode (* Obeliske, Pyramiden, * Sphinxe etc.). Im Empire trat die Vorliebe für ägyptische Motive wieder in den Hintergrund und wurde von dem in der griech.-röm. Antike üblichen Zierat abgelöst (* Urnen, * Girlanden, Lorbeer, Kränze, Adler, Schwäne, * Chimären, Tempelformen, flankierende Säulen, * Palmetten, Darstellungen der Siegesgöttin * Viktoria sowie * Trophäen, Zepter etc.) Die Motive wurden in der Raumausstattung aus * Stuck gestaltet und bei der Möbelherstellung in Form von * Einlagen sowie vergoldeten Bronzebeschlägen dargestellt.

Bei Möbeln waren weiters begrenzende Leisten und Säulen aus * Ebenholz oder schwarz gebeiztem Holz beliebt. Zu den bekanntesten Pariser * Ebenisten des Empires zählte François-Honoré-Georges * Jacob-Desmalter. Er beschäftigte bis zu 300 Mitarbeiter und war einer der Möbelhersteller Napoleons I. Für seine Erzeugnisse lieferten u. a. die von Napoleon bevorzugten Baumeister und "Dekorateure" Charles * Percier (1764-1853) und Pierre-François-Léonard Fontaine (1762-1853) die Entwürfe. Beide hatten sich in Rom mit der Antike befasst und gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des französischen Empire. Ihre Vorliebe für die römische Antike spiegelt sich im französischen Empire wider. Von ihnen stammende Entwürfe wurden 1812 unter dem Titel "Recueil de décorations intérieurs" veröffentlicht. Nach dem Sturz Napoleons und der Wiedereinsetzung der Bourbonen 1815 wurde das Empire vom Restaurations-Stil abgelöst. Im übrigen Europa dauerte das Empire bis nach 1830. Im deutschsprachigen Raum bevorzugte man zu der Zeit vor allem griechische Vorbilder. Während "Herrschaften von Stand" dem Empire verbunden waren, etablierte sich von 1815-1845 beim Bürgertum der "gut bürgerliche Stil", das * Biedermeier, das sich vor allem in Wien entfaltete. In England war von etwa 1810-1830 das * Regency in Mode, zu dessen bedeutendsten Möbeldesignern * Thomas Sheraton und Thomas Hope zählten.

F. BENOIT, L'Art français sous la Révolution et l'Empire, Paris 1897, Nachdr. Genf 1975; A. SPELTZ, Das Empireornament, Leipzig 1913; M. v. BOEHN, Das E.: die Zeit, das Leben, der Stil, Berlin 1925; S. GRANDJEAN, E. Furniture 1800-1825, London 1966; J. F. WILTKOPP, Die Welt des E.: Directoire, E., Klassizismus, München 1968; Ch.-A. ISERMEYER, E., München 1977; W. MARKOV, Grand E., Leipzig 1984.


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