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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Fabergé , Name einer Familie von Goldschmieden hugenottischer Herkunft, deren Erzeugnisse als "Fabergé objets d'art" weltbekannt sind.

Berühmt wurde der Name der Familie vor allem durch Carl Fabergé (1846-1920). Ursprünglich war die Familie Fabergé in der Picardie beheimatet. Nach der Aufhebung des * Ediktes von Nantes durch Ludwig XIV. begab sich die Familie 1685 zunächst nach Schwedt a. d. Oder. Im Jahr 1800 zog Peter Fabergé, der Großvater des berühmten Carl Fabergé, nach Pernau im Baltikum, wo Gustav Fabergé (1814-1894), der Vater Carl Fabergés, zur Welt kam.

Belegt ist, dass Gustav Fabergé die Lehrzeit als Goldschmied in St. Petersburg bei den Goldschmieden Andreas Ferdinand Spiegel und danach bei Johann Wilhelm Keibel verbrachte, bevor er 1841 selbst Goldschmiedemeister wurde. 1842 eröffnete Gustav Fabergé dann eine eigene Werkstatt, in der er Johann Alexander Gunst, Johann Eckhardt und (ab 1857) August Wilhelm Holmström beschäftigte. 1846 heiratete Gustav Fabergé die Dänin Charlotte Jungstedt, Tochter eines Malers, mit der er die Söhne Peter Carl (später nur mehr Carl), nach russischem Brauch Carl Gustavowitsch genannt, und Agathon (1862-95) hatte. Carl Fabergé besuchte in St. Petersburg die deutschsprachige St. Annenschule. 1860 übersiedelte Gustav Fabergé mit seiner Familie nach Dresden. Das Geschäft führten sein Freund und Partner Hiskias Magnusson Pendin (1823-81) und der Juwelier V. A. Zaianchkovski weiter.

Belegt ist, dass Carl Fabergé 1861 in der Dresdener Hofkirche gefirmt wurde. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann an der Dresdener Handelsschule trat Carl Fabergé eine Bildungsreise an (* Grand Tour), die ihn zuerst nach Frankfurt/M. führte, wo er bei dem Juwelier Friedman arbeitete. Der Tradition nach reiste Carl Fabergé danach nach Florenz, wo er Kenntnisse in der Steinschneidekunst, insbesondere der * Pietra dura, erwarb. Mündlicher Überlieferung zufolge reiste er auch nach London und Paris. 1870 kehrte Carl Fabergé nach St. Petersburg zurück und trat in das von seinem Vater gegründete und von Pendin weitergeführte Geschäft ein. 1872 heirateten Carl Fabergé und Augusta Jakobs, die Tochter eines Aufsehers der kaiserlichen Möbelwerkstatt. Die vier Söhne des Paares, Eugène (1874-1960), Agathon (1876-1951), Alexander (1877-1952) und Nicholas (1884-1939) traten alle in die Firma Fabergé ein.

Ab 1881, nach dem Tod Pendins, war es Carl Fabergé möglich, seine Ideen zu verwirklichen, und es begann der steile Aufstieg der Firma Fabergé. Zusammen mit seinem Bruder Agathon, den er 1882 in die Firma holte, entwarf Carl Fabergé, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend (* Historismus), Objekte vor allem im Stil des * Louis-quinze und des * Louis-seize, später auch im * Art-nouveau-Stil. 1885 war ein besonders erfolgreiches Jahr für Carl Fabergé; er erhielt den Titel Hofgoldschmied, den St. Annenorden dritter Klasse und wurde zusammen mit den Goldschmieden Zeftingen und Köchli zum Schätzer des kaiserlichen Kunstkabinetts ernannt. Für die bei einer Ausstellung in Nürnberg präsentierten Goldkopien (eine Arbeit von Erik Kollin, der Hauptwerkmeister bei Fabergé war) des in Kertsch gefundenen Skythenschatzes wurde die Firma Fabergé mit einer Goldmedaille geehrt.

Der ganz große Erfolg von Fabergé begann dann mit einem im gleichen Jahr für Zar Alexander III. hergestellten Osterei. Es sieht aus wie ein ganz gewöhnliches Hühnerei, besteht aber aus Gold, das mit eierfarbenem Email überzogen ist und sich wie eine Dose öffnen lässt. In seinem Inneren sitzt eine aus getriebenem Gold gefertigte brütende Henne, deren Augen aus kleinen Rubinen bestehen. Weitere 55 aus Gold, Email und Edelsteinen gefertigte Ostereier entstanden in den folgenden Jahren. Sie sind etwa zwischen 9 und 12 cm hoch, können wie eine Dose geöffnet werden, und in ihrem Inneren befinden sich als Überraschung Goldschmiedearbeiten in Miniaturgröße. Bekannt sind u. a. das zur Erinnerung an die Weltumseglung des Zarewitsch Nikolaus 1890/91 hergestellte Modell des Dampfschiffes "Pamiat Azova".

Vor 1899 entstand ein mit opalisierendem rosa Email überzogenes Osterei, in dessen Innerem ein zehnteilig ausgeführter zusammenlegbarer Stellrahmen aus Gold verstaut werden kann, in dem sich auf Perlmutter gemalte Miniaturen von dänischen Palästen und zwei Schiffen befinden. Bekannt sind ferner Ostereier, in denen ein aus Gold, Platin und Edelsteinen gefertigtes Modell der Transsibirischen Eisenbahn, das aus vierfarbigem Gold gefertigte Modell des Schlosses Gatschina oder eine aus Gold, rotem Email und edlen Steinen gefertigte Kutsche eingesetzt sind. Vor allem diese für die Zarenfamilie gefertigten Ostereier begründeten den Erfolg der Firma Fabergé. Berühmt waren die Fabergé-Werkstätten auch für ihre besonders schön gearbeiteten Dosen, Zigarettenetuis und Bonbonnieren, Parfumflakons, Trinkbecher, Schreibgarnituren, Tischuhren, Spiegelrahmen, Vitrinenstücke in Form von aus Edelmetall, Email und edlen Steinen gefertigten Blumen, Stockgriffe und aus * Schmucksteinen geschnittenen Tierfiguren etc.

Aufgrund der Begeisterung, den in Stockholm ausgestellte "Fabergé objets d'art" hervorriefen, erhielt Carl Fabergé das Privileg, sich Hofgoldschmied von Schweden und Norwegen nennen zu dürfen. Nach der Weltausstellung in Paris (1900) wurde Carl Fabergé zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und von der Pariser Goldschmiedegilde mit dem Titel Maître geehrt. Neben dem Firmensitz in St. Petersburg besaß Carl Fabergé noch Zweigbetriebe in Moskau, Odessa sowie in London und beschäftigte Anfang 20. Jh. mehr als 500 Mitarbeiter. Insgesamt wurden von der Firma Fabergé mehr als 100.000 Objekte hergestellt. Nach der Oktoberrevolution (1917) verließ Carl Fabergé mit seiner Familie Russland und begab sich über Riga und Berlin nach Wiesbaden. 1920 ließ sich Carl Fabergé in Lausanne in der Schweiz (Hotel Bellevue) nieder, wo er am 24. September desselben Jahres starb. Nachdem auch seine Frau 1925 gestorben war, veranlassten die Nachkommen, dass die sterblichen Überreste ihrer Eltern 1929 nach Cannes überführt und beigesetzt wurden.

H. C. BAINBRIDGE, Peter Carl Fabergé, London 1949 (Neudr. 1966, 1974); G. v. HABSBURG-LOTHRINGEN, C. F. Die glanzvolle Welt eines königlichen Juweliers, in: DU Europäische Kunstzeitschr., Nr. 442, Dez. 1977, S. 51 ff.; G. v. HABSBURG-LOTHRINGEN, A. v. SOLODKOFF, F. Court Jeweler to the Tsars, Fribourg 1979 (Neudr. 1984), dt. Ausg. 1979; A. K. SNOWMAN, C. F., Goldsmith to the Imperial Court of Russia, London 1979; H. WATERFIELD, C. FORBES, C. F. Imperial Easter Eggs and Other Fantasies, New York 1978, London 1979; A. v. SOLODKOFF, Masterpieces from the House of F., New York 1984; G. v. HABSBURG, F. Hofjuwelier der Zaren, Kat. d. Bayer. Nat. Mus. und der Kunsthalle d. Hypo-Kulturstiftung München, München 1986/87.


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