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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Abgar-Bild , hl. Mandylion, ursprünglich Bezeichnung für ein kleines Sudarium (Schweißtuch) mit dem Abdruck des Gesichtes Christi.

Es ist benannt nach dem Fürsten Abgar V. Ukkama ("der Schwarze") von Edessa (9-46 n. Chr.). Eusebios von Kaisareia berichtet in seiner Kirchengeschichte (I, 13), dass der leprakranke Fürst mit einer Botschaft Jesus um Hilfe bat und Jesus in einem Antwortschreiben versprach, Abgar einen Jünger zu senden. Nach Eusebios schickte der Apostel Thomas nach der * Himmelfahrt Christi den Jünger Thaddäus (= Addai) nach Edessa.  * Apokryphen Schriften zufolge gesundete Abgar, nachdem der Bote mit einem * Mandylion, auf dem das Gesicht des * Heilands zu sehen war, den Fürsten berührt hatte. Das  Mandylion soll auch einen Abdruck auf einem Brandziegel hinterlassen haben, der fortan als "hl. Ziegel" verehrt wurde.

Es wird weiters berichtet, dass das Mandylion 544 während einer Belagerung durch die Perser am Stadttor angebracht wurde und Edessa vor der Einnahme durch die feindlichen Krieger bewahrte. 944 oder 968 wurde die * Reliquie von Edessa nach Konstantinopel gebracht und blieb nach dieser Translation bis zur Plünderung durch die * Kreuzfahrer (1204) im Schatz des Marienheiligtums im Palast. In der Folge reklamierten Rom, Genua und Paris den Besitz des echten Abgarbildes für sich. Ikonen mit Darstellungen des Abgar zeigen das Haupt Christi in Frontalansicht, ohne Halsansatz, mit beidseits in mehreren Flechten bis auf die Schultern fallendem Haupthaar. Bei älteren Exemplaren läuft der Bart in zwei Spitzen aus, bei späteren Kopien nur in einer Spitze. 

Die Abgarbilder spielten eine große Rolle in der Ikonenkunst der Ostkirche. Einige werden den * Acheiropoieta zugeordnet. Die "Vera Ikon", das * Schweißtuch der Veronika , wurde erst im 15. Jh. mit der * Kreuztragung in Verbindung gebracht und Jesus auf Darstellungen dieses Motivs mit der Dornenkrone wiedergegeben. Vor dem 15. Jh. ist Jesus auf Darstellungen des Schweißtuchs  der Veronika, wie beim Abgarbild, immer ohne Dornenkrone zu sehen.            

A. M. AMMANN, Due imagine del cosi detto Christo de Edessa, in: Rendiconti 1967, S. 185 ff.; I. B. SEGAL, Edessa, The  "Blessed City", Oxford, London 1970; J. ASSFALG, P. KRÜGER, Kleines Wörterbuch des Christl. Orients, Wiesbaden 1975.


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