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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Fayence , nach der italienischen Stadt Faenza benannte Tonwaren mit porösem * Scherben, die nach dem ersten Brand gelb bis rötlich gefärbt sind und die endgültige Farbe erst durch das Einbrennen einer opaken, meist weißen Zinnglasur erhalten.

Fayencenähnliche Arbeiten aus Ton, mit farbigen Bleiglasuren, waren in Ägypten schon im 4. Jt. v. Chr. bekannt. Frühe Fayencen, z. B. Statuetten von Schlangengöttinnen oder Priesterinnen stammen aus dem minoischen Raum. Um 500 v. Chr. sollen die Perser in großem Umfang Fayencen hergestellt haben. Durch die Araber kam im 13. Jh. die Lüsterfayence nach Spanien, das teilweise unter islamischer Herrschaft stand, und im 15. Jh. über die Balearen nach Italien.

Von der Balearen-Insel Mallorca/Majorca leitet sich auch "Majolika" ab, die zweite Bezeichnung für diese Art von Tonwaren. Im 15./16. Jh. wurde die Gegend um die Stadt Faenza (in der Emilia-Romagna, Provinz Ravenna) zum Zentrum der italienischen Keramikerzeugung. (Heute noch namentlich bekannt ist die seit ca. 1525 in Faenza etablierte Werkstatt "Casa Pirota".) Von Italien gelangte die Fayence-Kunst schließlich nach Frankreich und Holland, wo sie in * Delft einen neuen Höhepunkt erreichte. Im 18. Jh. diente die Fayence im deutschsprachigen Raum als willkommener Ersatz für das teure * Porzellan, wurde später aber von dem noch billigeren englischen * Steingut zum Teil verdrängt.

Die Herstellung der Fayence (das Formen, Trocknen und Brennen) gleicht der von Porzellan. Der erste Brand mit 1200° C ergibt einen naturfarbenen porösen Scherben von gelblicher, grauer oder rötlichbrauner Farbe, der dann in das Glasurbad (geschmolzenes Zinn, Blei, Sand, Pottasche und Wasser) eingetaucht oder damit übergossen wird. Dabei dringt Wasser in das poröse Material ein, und die meist weiße oder auch farbige Zinnoxidglasur setzt sich an der Oberfläche fest. Nach dem Trocknen kann als Dekor die Bemalung mit so genannten * Scharffeuerfarben erfolgen. Bei dem bei 900° C vorgenommenen Glasurbrand verschmelzen die Farben mit der Glasur zu einer fest auf dem Scherben haftenden Schicht. Als Nachteil erweist sich, dass die Farbskala wegen der hohen Temperatur des Glasurbrandes beschränkt ist (Braun, Gelb, Grün, Kobaltblau, Manganviolett, Rot und Schwarz). Bei der anderen Möglichkeit der * Kolorierung, nach erfolgter Glasur, mit so genannten * Muffelfarben, die mit nur mäßiger Temperatur aufgeschmolzen werden, bietet sich zwar die gesamte Farbpalette an, da sich die Farben aber als leichtes Relief von der Glasur abheben, sind sie durch Bestoßen gefährdet. Als Halbfayencen oder Mezzomajolika bezeichnet man Tonwaren, deren unedler Scherben vor der Glasur mit einer weißen * Engobe versehen, bemalt und anschließend mit einer durchsichtigen Bleiglasur (* Coperta) überzogen wird.

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