Fegefeuer (mittellateinisch purgatorium), von mittelhochdeutsch fegen, "reinigen".
Von der Existenz des Ortes, an dem die * Armen Seelen durch zeitlich begrenztes Feuer, Eis oder Wasser von ihren lässlichen Sünden gereinigt werden, berichtete vor allem Papst * Gregor d. Gr. (540-604) im vierten Buch der Dialogie. Darstellungen des Fegefeuers und der * Hölle waren früher sehr gebräuchlich, z. B. in den so genannten * Bußbüchern. Nach katholischen Glauben können Menschen durch Gebete und die Feier von Seelenmessen die zukünftige eigene sowie die Aufenthaltsdauer einer bereits im Fegefeuer befindlichen Armen Seele verkürzen (vgl. * Totenrotel).
Allerseelen (2. November), der Tag nach Allerheiligen, ist allen Armen Seelen gewidmet. Die protestantischen Kirchen lehnen die Lehre vom Fegefeuer ab.
A. TSCHUDI, "Vom Fegefür", a treatise on purgatory .., ed. from the original manuscript in the abbey archives of St. Gallen by Jsobel A. Knowles, Basel 1925; E. FLEISCHHACK, F., Tübingen 1969; L. KRETZENBACHER, Legendenbilder aus dem Feuerjenseits. Zum Motiv des "Losbetens" zwischen Kirchenlehre und erzählendem Volksglauben, Österr. Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl., Sbb. 370, Wien 1980; F. HOLBÖCK, F. Leiden, Freuden und Freunde der armen Seelen, Salzburg 1980; L. KÖTZSCHE, Die Seelenreinigung durch das Feuer. Zu einer Jenseitsvorstellung in der röm. Katakombenmalerei, in: Berliner Theologische Zeitschr. 3, H. 1, 1986, S. 61-76; J. Le GOFF, Geburt des F. Vom Wandel des Weltbildes im MA, München 1990; Chr. GÖTTLER, Gabe und Gegengabe. Zur Kunstgesch. des F. Drei Untersuchungen zum Zusammenhang von Bild und Ablaß im späten 16. u. frühen 17. Jh. (Typoskript), Diss. Zürich 1991; Himmel, Hölle, F. Das Jenseits im MA., Kat. Schweizerisches Landesmuseum, Zürich 1994.
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