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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Flucht nach Ägypten , bereits im Mittelalter beliebtes Motiv der christlichen Kunst. Nach der * Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige wurde * Josef im Traum von einem Engel aufgefordert, mit Maria und dem Kind nach Ägypten zu flüchten, damit dieses den Häschern des Königs * Herodes, d. h. dem * Kindermord von Bethlehem, entgehe (* Matthäus 2, 13-23).

Die Darstellung zeigt meist Maria dem Betrachter zugewendet, mit dem Jesuskind in ihren Armen auf einem Esel sitzend und Josef zu Fuß, die Zügel in der Hand. Auf seltenen Darstellungen reitet die Gottesmutter nicht, sondern sie geht mit dem Jesuskind in den Armen neben bzw. hinter Josef her, oder das Christuskind sitzt auf den Schultern Josefs (* Antependium im Dom von Città di Castello, 1143/44). Außerbiblischen Überlieferungen zufolge sollen Mägde Marias und Söhne aus Josefs erster Ehe die heilige Familie auf der Flucht begleitet haben. Diese in * apokryphen Schriften erwähnten Personen sind auf Bildern von der Flucht zu Ägypten nur selten zu sehen, ebenso wie Salome, die als Hebamme des Jesuskindes Erwähnung findet, sowie ein Mädchen, von dem es heißt, daß es durch das Badewasser Jesu vom Aussatz befreit worden sei (Elfenbeinkästchen der * Metzer Schule, Musée du Louvre, Paris). Um die Flucht nach Ägypten ranken sich zahlreiche Legenden. So soll die Heilige Familie bei der "Ruhe auf der Flucht" in einem großen hohlen Baum oder in einer Höhle Schutz vor den Verfolgern gesucht und eine Spinne in aller Eile ein Netz vor dem Eingang gewoben haben. Die vorbeikommenden Soldaten ließen sich durch das Gespinst abhalten, im Versteck nach Jesus Ausschau zu halten.

In einer anderen Legende wird erzählt, dass Josef mit den Seinen an einem Feld vorbeikam, wo ein Bauer mit Säen von Korn beschäftigt war. Die Kriegsknechte des Königs sollen schon ganz in der Nähe der Heiligen Familie gewesen sein, als plötzlich das Getreide in voller Höhe stand und der Sämann auf die Frage der Soldaten antworten konnte, dass eine Familie vorbeigezogen sei, dies aber bereits während der Aussaat, und die Häscher daraufhin umkehrten. Diese so genannten "Kornfeldlegende" ist ein beliebtes Thema der christlichen Kunst. Auch vom Überfall einer Räuberbande wird berichtet (W-Portal des Münsters von Thann, 14. Jh.). Dabei soll der später als so genannter guter * Schächer bekannt gewordene Wegelagerer die Heilige Familie vor seinen Kumpanen beschützt haben (* Dismas). Die genannten Motive sind neben anderen als Relief auf einer Elfenbeinpyxis dargestellt, die in der * Eremitage in St. Petersburg aufbewahrt ist. Auf solchen Bildzyklen ist oft auch der schlafende Nährvater Josef zu sehen und daneben ein Engel, der zur Flucht auffordert.

K. VOGLER, Die Ikonographie der F., Diss. Heidelberg 1931; A. HEIMENDAHL, Die F., Aschaffenburg 1951; E. CRUSIUS, Flucht und Heimkehr, in: Archival. Zeitschr. 49, 1954; L. SCHMIDT, Die Kornfeldlegende, in: Alte u. Neue Kunst 4, H. 1/2, 1955; H. WENTZEL, Die Kornfeldlegende, in: FS für K. Bauch, München 1957; H. MÖHLE, L. Cranach d. Ä. Die Ruhe auf der F., Stuttgart 1966; H. SACHS, E. BADSTÜBNER, H. NEUMANN, Erklärendes Wörterbuch zur christl. Kunst, Hanau o. J.


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