Flügelaltar , Wandelaltar, * Schreinaltar, nördlich der Alpen üblicher Altartypus der Spätgotik. Eine tragende Staffel, die * Predella, bisweilen auch Sarch genannt, dient dem Flügelaltar als Basis. In ihr eingelassen ist häufig ein * Reliquienschrein. Der Altaraufsatz (* Retabel) besteht aus einem querformatigen kastenförmigen Mittelteil, in dem aus Holz geschnitzte Figuren aufgestellt sind. Seitlich angestückt sind zuklappbare Flügeltüren, denen der Altartyp seinen Namen verdankt. Das Innere des Mittelteils ist nur an Festtagen bei geöffneten Flügeltüren zu sehen.
Anders die so genannten Schreinwächter: Diese vollplastisch ausgeführten, links und rechts neben dem Schrein stehenden Figuren kommen nur bei geschlossenen Altarflügeln zum Vorschein. Bei geöffneten Türen sind sie von diesen verdeckt und bloß die Spitzen ihrer Lanzen sichtbar. Flügelaltäre können zwei oder vier Flügel haben. Bei der vierflügeligen Version sind die beiden Außenflügel mit Scharnieren an den Innenflügeln befestigt oder Innen- und Außenflügel am Altar. Die nach Art von * Tafelbildern bemalten Außenseiten der Altarflügel zeigen im geschlossenen Zustand die so genannte "Alltagsseite". Die Ansicht bei geöffneten Flügeln gibt den Blick auf den Schrein frei und heißt "Feiertagsseite". Die dabei sichtbaren Innenseiten der Flügel sind entweder bemalt oder als Reliefs ausgeführt. Das den Altar türmchenförmig bekrönende * Gesprenge, auch "Auszug" genannt, ist im Allgemeinen reich beschnitzt.
W. MENGELBERG, Entwurf zu einem F. hochgot. Stils, in: Zeitschr. f. christl. Kunst 17, 1904; H. KELLER, Der F. als Reliquienschrein, in: Studien zur Gesch. der europ. Plastik, FS für Th. Müller, München 1965; E. EGG, Gotik in Tirol. Die F., Innsbruck 1985; E. OELLERMANN, F. des späten MA, Berlin 1992.
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