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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Fresko , das, Freske, die, von italienisch affresco, a(l) fresco (pittura al fresco intonaco),

Bezeichnung für eine "auf den frischen", d. h. noch feuchten Kalkputz aufgetragene Wand- oder Deckenmalerei. Die Darstellungen werden mit Kalkfarben (mit Kalkwasser gemischten * Pigmenten) ohne Bindemittel auf frischem, aber bereits druckfestem gipsfreien Putz gemalt. Verwendung finden mineralische Pigmente, da biogene vom Weißkalk (Ätzkalk) geschädigt würden. Der Putz aus Kalk, Sand und Wasser (dem Feinputz ist bisweilen auch Marmormehl beigemengt) wird in Schichten aufgetragen. Der römische Architekt * Vitruv empfahl sechs Putzschichten, doch bestehen auch die antiken Fresken zumeist nur aus zwei (wie in der Renaissance üblich) bis vier Schichten. Auf das Mauerwerk wird als erste Schicht der 1-1,5 cm starke Spritzbewurf aufgetragen. Es folgen in Zwanzigminutenabständen der etwa 1 cm starke Ausgleichsbewurf, dann der 0,5-1 cm starke Rauhputz und zuletzt der 0,3-0,5 cm dicke Feinputz. Die Feuchtigkeit des Putzes entweicht an der Oberfläche, und die in den abbindenden Mörtel eindringenden Pigmente gehen mit diesem eine innige Verbindung ein. Durch Aufnahme von Kohlensäure aus der Luft nimmt der Kalk die durch das Brennen von Kalkstein (Kalziumkarbonat) verlorene Kohlensäure auf und wird wieder zu Kalziumkarbonat, das mit den Pigmenten eine steinharte wasserunlösliche Schicht bildet. Zum Unterschied zur * Seccomalerei blättert das Fresko deshalb nicht ab. Es wird immer nur so viel verputzt, wie an einem Tag (6-10 Stunden) bemalt werden kann. Man spricht in dem Zusammenhang von einem "Tagewerk" (italienisch giornato). Durch Zugabe proteinhaltiger Stoffe, beispielsweise Eiklar, und das Anspritzen des Putzes mit Wasser lässt sich der Trocknungsprozess verzögern. Wenn der Putz zu rasch trocknet oder beim Malen größere Änderungen notwendig sind, muss der Putz abgeschlagen und neu aufgetragen werden. Kleine Retuschen werden auf der trockenen Wand meist in Seccomalerei ausgeführt. Ein Fresko ohne jegliche Trockenmalerei heißt in der Fachsprache italienisch "fresco buono" (gutes Fresko). Bei der Herstellung einer Freskomalerei werden die Darstellungen auf einem * Karton in Originalgröße vorgezeichnet und dann durch Nachziehen mit einem spitzen Gegenstand leicht eingedrückt. Die feinen Riefen sind am fertigen Fresko vereinzelt noch erkennbar. Manchmal wird die Vorzeichnung auch in der Technik der * Lochpause auf die Wand übertragen. Da die Farben beim Trocknen unterschiedlich stark aufhellen, bedarf die Fresko-Malerei großer Erfahrung. Die endgültigen Farbschattierungen sind erst nach abgeschlossenem Trocknungsprozess erkennbar. Irrtümlicherweise werden oft auch Wandmalereien als Fresko bezeichnet, die auf trockenem Grund (* Seccomalerei), ausgeführt sind.

H. TINTELNOT, Die barocke F.malerei in Dtl., München 1951; K. HERBERTS, Wände und Wandbild, Stuttgart 1953; H. GARDNER, The Technique of Fresco Painting, New York 1966; M. MEISS, Das große Zeitalter der Freskenmalerei, München, Wien, Zürich 1971; P. PHILIPPOT, Das F., Wien 1971; P. PHILIPPOT, Die Wandmalerei. Entwicklung, Technik, Eigenart, Leipzig 1984; G. BALKE, Das Freskenwerk Philipp Veits. Ein Beitrag zur Gesch. des F. im 19. Jh., Diss. Berlin 1986; B. HAMACHER, Entwurf und Ausführung in der süddt. F.malerei des 18. Jh., Diss. 1985, München 1987.


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