Gewölbe , bogenförmige Überdachung von Längsräumen. (Eine kalottenförmige Konstruktion, als Überdachung runder, quadratischer oder * polygonaler Räume, wird * Kuppel genannt.)
Die dem Gewölbe als Stütze dienenden Mauern heißen Widerlager; Mauern, auf denen das Gewölbe nicht aufliegt, sondern die nur als Raumabschluss dienen, heißen Stirn- oder Schildmauern. Die einfachste Form des Gewölbes ist das Tonnengewölbe, dessen Bogenform im Querschnitt einen Halbkreis oder eine halbe Ellipse bildet. Wenn zwei Tonnengewölbe gleichen Querschnitts einander im rechten Winkel kreuzen, entsteht ein Kreuzgewölbe. Die diagonal verlaufenden Schnittlinien heißen Grate und die von ihnen begrenzten vier Felder Gewölbekappen oder nur Kappen. Sind die Grate in selbsttragende sich gegenseitig stützende gemauerte Rippen umgewandelt, zwischen die die Gewölbeflächen eingezogen werden, spricht man von einem Kreuzrippeng. Beim Netzgewölbe überziehen die Rippen das Gewölbe netzförmig, beim Sterngewölbe sternförmig. Sind die Rippen fächerartig angelegt, entsteht das so genannte Fächergewölbe, wie besonders beim * Perpendicular Style üblich. Große Gewölbe werden axial durch gurtartige Verstärkungsbögen, die so genannten Gurtbogen, in einzelne Raumabschnitte gegliedert, die quer zur Raumachse angelegt sind. Die die einzelnen Gewölbeeinheiten überdeckenden Abschnitte werden als Joche bezeichnet. Vgl. * Falsches Gewölbe.
G. EICH, G.formen, Strelitz 1921; K. H. CLASEN, Deutschlands Anteil am G.bau der Spätgotik, in: Zeitschr. des Vereins für Kunstwiss., Bd. IV, 1937; K. H. CLASEN, Dt. G. der Spätgotik, Berlin 1958; G. u. Kuppel, Glossarium Artis 6, Tübingen 1975.
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