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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Hagia Sophia , griechisch, "heilige Weisheit" (vgl. * Sophia).

Die im Auftrag Kaiser Justinians 532-537 in Konstantinopel gebaute Sophienkirche, die Hagia Sophia, mit riesiger Zentralkuppel (Durchmesser der * Pendentivkuppel 34,6 m), die nach Westen und Osten durch Halbkuppelapsiden sowie nach Süden und Norden durch breite Schildbögen übergeführt und von vier mächtigen Pfeilern gestützt wird, stellt das bekanteste Werk byzantinischer Architektur dar.

Die Errichtung erfolgte zum Teil auf den Grundmauern einer unter Theodosius II. (408-450) entstandenen fünfschiffigen Basilika, die 532 während des Nika-Aufstandes in Schutt und Asche gelegt wurde. Vor dieser Kirche befand sich an der gleichen Stelle bereits ein durch einen Brand zerstörtes Gotteshaus aus der Mitte 4. Jh. Abgesehen von der flachen Hauptkuppel, weist die Hagia Sophia noch acht Nebenkuppeln auf. Für den Bau, der selbst den Tempel * Salomons an Größe und Schönheit übertreffen sollte, verpflichtete der Kaiser hundert Baumeister, deren bekannteste Anthemios von Tralles und Isidor von Milet waren. Sie leiteten die Bauarbeiten, für deren Durchführung zehntausend Arbeiter fünf Jahre und zehn Monate benötigten.

Verwendung fanden * Spolien, u. a. Säulen und Marmor von Tempeln aus Baalbek, Ephesus, Delphi und Heliopolis. Als Verbindung wurde oft kein Mörtel, sondern geschmolzenes Blei verwendet, z. B. bei den riesigen Sandsteinblöcken, die als Pfeiler den Kuppelraum stützen. In den Jahren 553 und 557 stürzte ein Großteil der Kuppel ein. Mit ihrem Ersatz wurde 558 begonnen; die neuerliche Einweihung erfolgte dann 563. Nach den Erdbeben von 869 und 986 wurde die Kuppel restauriert, erheblich verstärkt und 994 zum drittenmal geweiht. Das monumentale Bauwerk diente länger als neun Jahrhunderte als katholisches Gotteshaus und war die Krönungskirche der oströmischen Kaiser.

Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453) erfolgte die Umwandlung des Kuppelbaues in eine Moschee, wobei * Minarette angefügt wurden. Der mit * Inkrustationen und Mosaiken ausgestattete Innenraum blieb zum größten Teil unverändert, der Zierat wurde aber mit einer dicken Gipsschicht bedeckt, da der Islam keine figürlichen Darstellungen zulässt. Bei den von Sultan Abdülmecit 1847 angeordneten Restaurierungsarbeiten fanden die Schweizer Architekten Gaspare und Guiseppe Fossati die unter der Deckschicht verborgenen byzantinischen Mosaiken und restaurierten sie auch. Sie mussten danach aber wieder überdeckt werden, mit Ausnahme des Mosaiks, das sich über dem Einganz zum * Narthex, d. h. außerhalb des Gebetsraumes befindet. 1931 wurden alle Mosaiken wieder freigelegt und der Bau 1935 auf Anordnung Atatürks zum Museum erklärt (türkisch Aya Sofya Müzesi).

Th. WHITEMORE, The mosaics of the St. Sophia at Istanbul, Oxford 1931/1952; H. JANTZEN, Die H. des Kaisers Justinian in Konstantinopel, Köln 1967; F. CARLSSON, Die Ikonologie der H. in Istanbul, in: Konsthistorisk tidskrift 50, 1981; M. RESTLE, Neuere Wege zum Verständnis der H. in Istanbul, in: Pantheon 39, 1981; H. JUNECKE, Proportionen frühchristl. Basiliken des Balkan im Vergleich von 2 unterschiedlichen Meßverfahren. Proportionen der H. in Istanbul, Tübingen 1983.


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