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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Happening , englisch, "Ereignis".

Das Happening kann als "kollektivistischer * Fluxus unter aktiver Beteiligung des Publikums" interpretiert werden, wobei Improvisationen die Regel sind. Alan Kaprow, ein Vertreter des * Neuen Realismus, inszenierte 1958 in der Reuben Gallery in New York das erste Happening und gilt auch als Erfinder des Ausdrucks Happening. Der 1927 geborene Künstler wollte das Publikum aktiv einbeziehen und auf diese Weise seine Kunst, den * Realismus des Alltags und das soziologisch-psychologische Verhalten der Menschen betreffend, der Öffentlichkeit durch verschiedenste Ereignisse (Happenings) nahebringen, z. B. mit Hilfe von Geräuschen, Lichteffekten, Gerüchen etc. Seine Happenings fanden starke Resonanz, etwa 1960 "The big laugh" (das große Lachen) und 1962 "A service for the death" (der Dienst für den Tod). Der 1967 in New York erschienene * Traktat Kaprows mit dem Titel "Assemblage, Environments and Happening" trug dazu bei, das Happening bekanntzumachen. Die von Kaprow 1970 in Berlin errichtete "Sweet wall" (süße Mauer) bestand aus 400 Betonsteinen, für deren Verfugung Weißbrot und Marmelade verwendet wurden. Frühe Vertreter, die das Happening als Kunstform einsetzten, waren ferner Jim Dine, Claes Oldenburg und Carolee Schneeman, wobei letztere mit ihren Arbeiten vor allem feministische Anliegen vertrat. Als einer der ersten Künstler veranstaltete der Graphiker Wolf Vostell (geb. 1932) Happenings auch in Deutschland. Er befestigte u. a. so genannte "Abreißbilder" an Plakatwänden und bediente sich für seine Aktionen der Möglichkeiten des Videos. Nach diesen Protagonisten versuchten später viele Aktionisten durch Happenings zu schockieren, um einen nachhaltigen Eindruck zu erzielen. Die Zuschauer wurden zur aktiven Mitarbeit angeregt, wodurch die Grenzen zwischen Darsteller und Teilnehmer aufgehoben werden sollten. Die Idee des Happenings wurde auch vom amerikanischen Avantgardekomponisten John Cage übernommen. Seiner Vorstellung nach sollten Musiker auf die Menschen nicht nur über das Gehör einwirken, sondern gleichzeitig auch visuelle Eindrücke vermitteln, ein Gedanke, der später von vielen Rockgruppen erfolgreich aufgegriffen wurde und z. B. von Michael Jackson in vollendeter Perfektion durchgeführt wird. Seit den 1970er Jahren wurde der Ausdruck Happening in der Bildenden Kunst meist durch "Aktion" (* Aktionskunst) ersetzt. Beim Versuch, das Publikum durch Schock zu beeindrucken, scheuten Anhänger des Aktionismus auch nicht vor dem Einsatz von Blut, Exkrementen etc. zurück. Nicht selten wurden bei derartigen "Ereignissen" die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Je weniger überzeugend ein Kunstwerk sei, desto stärker müsse der Schock sein, um Publikum und Kritiker zu einer Reaktion zu veranlassen, lautet die Stellungnahme der schärfsten Gegner des Aktionismus. Zu den bekannten Aktionisten gehören: J. Beuys, G. Brecht, B. Brock, J. Cage, J. Dine, R. Filliou, E. Hansen, D. Higgins, T. Kantor, J.-J. Lebel, C. Oldenburg, N. J. Paik, R. Rauschenberg, W. Vostell, R. Watts und E. Williams. Speziell zum Wiener Aktionismus gezählt werden die von O. Mühl und H. Nitsch veranstalteten H., wobei letzterer weniger durch Happenings als durch seine als * Orgien-Mysterien-Theater bezeichneten Aktionen bekanntgeworden ist. In den späten 1960er Jahren gingen Happenings und Fluxus dann in die * Performance über.

J. BECKER, W. VOSTELL (Hg.), H., Pop-Art, Nouveau Réalisme, Reinbek 1965; A. KAPROW, Assemblage, Environments & H., New York 1966; H. SOHM, H. & Fluxus, Ausst. Kat. d. Kölnischen Kunstvereins, Köln 1970.


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