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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Heilige Sippe , Sippenbild, Darstellung der Verwandtschaft * Marias.

Dieses Motiv erfreute sich im 15./16. Jh., als Folge der seit dem 14. Jh. immer stärker gewordenen Marienverehrung, großer Beliebtheit. Auch der in dieser Zeit besonders populäre Ahnenkult förderte die Verbreitung des Sujets. In der Bildenden Kunst löste die Heilige Sippe das Motiv des meist als Jessebaum (* Jesse) ausgeführten Stammbaumes Christi ab. Das Sippenbild soll auf eine Vision der seligen Coletta Boilet aus dem Jahr 1406 (1408) zurückgehen. Im Zentrum des Sippenbildes zu sehen ist Maria mit ihrer Mutter, der hl. * Anna, und * Joachim, ihrem Vater.

Da Anna der Trinubiumslegende zufolge dreimal verheiratet war, sind in anachronistischer Weise auch ihre beiden anderen Männer, Kleophas und Salomas, wiedergegeben. Dargestellt findet man ferner die Töchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder Annas. Die Töchter der hl. Anna waren Maria, die Mutter Jesu, sowie * Maria Kleophas (Cleophae) und * Maria Salome. Die drei Frauen werden vielfach als die "drei Marien" bezeichnet (* Frauen am Grabe).

Maria, die Mutter Jesu, stammte aus der Ehe mit Joachim, dem ersten Mann Annas. Maria Kleophas wurde in der Ehe mit Kleophas geboren, dem zweiten Mann der hl. Anna. Mit Salomas, ihrem dritten Ehemann, hatte Anna die Tochter Maria Salome. Auf Darstellungen der Heiligen Sippe sitzen die Frauen mit ihren Kindern für gewöhnlich um Maria und Anna geschart, während die Ehemänner und Schwiegersöhne Annas dahinter stehen. Die Wiedergabe der drei Männer Annas wurde im 17. Jh. durch das Tridentiner Konzil verboten, später trotzdem aber wiederaufgenommen. * Apokryphen Schriften zufolge war Maria Kleophas mit Alphäus verheiratet und hatte mit ihm die Kinder Barsabas, * Jakobus d. J. (Apostel), Judas Thaddäus (Apostel) und * Simon Zelotes (Apostel).

Maria Salome war mit Zebedäus verheiratet und hatte die Kinder * Johannes (Apostel und Evangelist) und * Jakobus d. Ä. (Apostel). Bisweilen ist auch Esmeria wiedergegeben, die Schwester Annas, mit ihrer Tochter * Elisabeth sowie Zacharias, dem Mann Elisabeths, und dem Kind der beiden, dem späteren * Johannes d. T. Maria und die von ihr während der Schwangerschaft aufgesuchte Elisabeth (* Visitatio) waren somit Kusinen. Oft ist auch noch der hl. Servatius dargestellt, dessen Abstammung auf Esmeria zurückgeführt wird, sowie seine Eltern (Enim und Memelin) und Großeltern (Eliud und Emerentia). Auch Engel können auf Bildern der Heiligen Sippe zu sehen sein. Das Motiv der * Anna selbdritt wurde früher manchmal als "kleines Sippenbild" bezeichnet.

M. FÖRSTER, Die Legende vom Trinubium der hl. Anna, in: Probleme der engl. Sprache u. Kultur. FS für J. Hoojes, Heidelberg 1925; B. KLEINSCHMIDT, Das Trinubium (Dreiheirat) d. hl. Anna in d. Legende, in: Theologie u. Glaube 20, 1928; M. LINDGREN-FRIDELL, Der Stammbaum Maria aus Anna und Joachim, in: Marburger Jahrb. f. Kunstwiss. 11/12, 1938/39; A. FRIES, Anna Selbdritt samt Sippe auf einem Tafelbild des Meisters des Braunschweiger Diptychons, in: Das Münster 9, 1956; M. MITGAU, Die H. in Legende und Darstellung, in: Genealogie 6, 1963; H. SACHS, E. BADSTÜBNER, H. NEUMANN, Wörterbuch zur christl. Kunst, Hanau o. J.; W. ESSER, Die H. Studien zu einem spätmittelalterl. Bildthema in Dtl. und den Niederlanden, Diss. Bonn 1986.


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