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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Heiliggeisttaube

1) vollplastisch gestaltete Taube, deren Rücken meist mit strahlenförmigen Fortsätzen versehen ist. Manche Heiligeisttaube haben ein rundes Stück Karton oder ein Papier (Schnabelzettel) mit der Aufschrift * IHS im Schnabel, als Symbol für die * Hostie. Der * Heilige Geist in Gestalt einer Taube findet mehrmals in der Bibel Erwähnung. Beim Konzil von Konstantinopel (536 n. Chr.) wurde die Taube von der katholischen Kirche als Abbild des Heiligen Geistes offiziell anerkannt. Abgesehen von Darstellungen in Kirchen, * Kapellen und auch in Ratsstuben, waren aus Holz geschnitzte Heiliggeisttaube vom 17. Jh. bis ins frühe 20. Jh. vor allem in Bauernhäusern üblich. Die mehr oder weniger kunstvoll gestalteten Tauben hingen über dem großen Gemeinschaftstisch oder beim Herrgottswinkel an einer Schnur von der Zimmerdecke herab. Bei der einfachen, aus Fichtenholz geschnitzten Version bestehen die Flügel und Schwanzfedern aus je einem aufgefächerten Stück Holz. Diese Variante war in Skandinavien, Norddeutschland und in Österreich üblich und soll u. a. von russischen Kriegsgefangenen im 1. Weltkrieg hergestellt worden sein (Heiliggeistmacher).

Eine Sonderform der Heiliggeisttaube stellen die aus dem Bayerischen Wald und aus Berchtesgaden stammenden Exemplare dar, die als * Eingericht in eine Glaskugel eingesetzt sind und über dem Tisch aufgehängt wurden. Während die aus dem Bayerischen Wald stammenden Heiliggeisttaube aus Holzteilen bestehen, die mit Wasserfarben bemalt und mit Pinzetten in der Glaskugel zusammengesetzt wurden, sind die aus Berchtesgaden stammenden Heiliggeisttauben manchmal auch aus Bein oder Elfenbein geschnitzt. Bei der Mahlzeit bildete sich durch die Wärme und Feuchtigkeit der in der Tischmitte stehenden großen Suppenschüssel an der über dem Tisch hängenden Glaskugel Kondenswasser, das schließlich in die Suppe zurücktropfte. Dies gab der Art von Heiliggeisttaube im Volksmund den Beinamen "Suppenbrunzer" (Suppenpisser).

2) Gemalte oder als Mosaik ausgeführte Darstellung des * Hl. Geistes als Taube.

S. SEIDL, Bäuerliche Volkskunst zwischen Isar und Bayerischen Wald, München 1982; K. BEITL, Volksglaube, München 1983; J. PRAMMER, S. SEIDL, R. PIELMEIER, Heiliggeistkugeln aus dem Bayerischen Wald, Ausstellungskat. Gäubodenmuseum Straubing 1983.


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