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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Herakles (lateinisch Hercules, deutsch Herkules),

Lieblingsheld der griechischen mythologischen Dichtung. Seine Attribute sind Keule, Löwenfell und Pfeile. Der Name Herakles bedeutet "der durch * Hera Berühmte" und bezieht sich auf die Verfolgungen durch Hera, denen Herakles ausgesetzt war.

Die Götterkönigin hasste den Helden, weil er durch einen Fehltritt des * Zeus, ihres Gemahls, mit * Alkmene gezeugt worden war. Zeus schwängerte Alkmene in Gestalt ihres Gatten * Amphitryon, dem als Enkel des * Perseus dessen Thron zustand, den jedoch sein Onkel um den Anspruch gebracht und nach Theben verbannt hatte. Zeus verhieß der schwangeren Geliebten, dass ihr gemeinsamer Sohn aus dem Perseus-Geschlecht die Herrschaft über Mykene und Tiryns antreten werde. (Das Thema wurde u. a. von Aischylos und Sophokles als Tragödie, in der Neuzeit von Giraudoux, Kleist und Molière als Komödie verarbeitet.) Am Tag der Geburt prahlte Zeus in der Götterversammlung damit, dass sein Sohn, der künftige Herrscher über den Perseus-Thron, in Kürze das Licht der Welt erblicken werde. Als Hera davon hörte, hemmte sie (mit Hilfe der Geburtsgöttin * Eileithyia) die Geburtswehen Alkmenes und bewirkte, dass * Eurystheus, der Sohn des regierenden Königs von Mykene, vor seinem Vetter Herakles zur Welt kam und somit Anspruch auf den Thron hatte.

Alkmene gebar Zwillinge: den von Zeus gezeugten Herakles und * Iphikles, der als Sohn Amphitryons gilt. Schon als Kleinkind zeichnete sich Herakles durch Mut und Stärke aus und erwürgte mit bloßen Händen zwei Schlangen, die auf Veranlassung Heras in die Wiege der beiden Knaben gelangt waren. Als Jüngling begegnete Herakles zwei schönen Frauen, den Personifikationen von Tugend und Laster, von denen jede versuchte, ihn auf ihren Weg zu bringen. Nachdem sie verschwunden waren, entschied Herakles sich für den steilen, steinigen Pfad der Tugend, an dessen Ende hoher Lohn verheißen ward.

Herakles gilt als Verkörperung des mühevollen Kampfes und Sieges des Guten über das Böse. In einem von Hera verursachten Anfall von Sinnesverwirrung tötete Herakles die mit seiner ersten Frau Megara gezeugten Kinder. Verzweifelt suchte der Unglückliche nach der Tat beim Orakel von Delphi Rat und erhielt die Weisung, sich an den Hof des statt ihm in Mykene residierenden Königs Eurystheus zu begeben und diesem zu dienen. Da Eurystheus um den Thron fürchtete, betraute er den Helden mit zwölf schier unlösbaren und zum Teil sehr gefährlichen Aufgaben, in der Hoffnung, Herakles würde bei deren Ausführung umkommen.

Die so genannten zwölf Arbeiten oder Taten des Herakles führten aber nur dazu, den Ruhm des Helden noch zu erhöhen:

1. Die Tötung des * Nemeischen Löwen. Da die Lanze des Helden von dem für Waffen undurchdringlichen Fell des Tieres abprallte, erwürgte Herakles den Löwen. Das Thema findet man in der Bildenden Kunst oft dargestellt. Meist hat der Held die abgezogene Löwenhaut - eines seiner Attribute - um die Schultern geworfen, bisweilen trägt er die Kopfhaut des Löwen als * Helmbrünne.

2. Der Kampf mit der neunköpfigen * Hydra. Das Untier hauste in den Lernäischen Sümpfen und wird deshalb auch Lernäische Schlange genannt. Da dem Scheusal nach Abschlagen eines Hauptes sofort zwei neue nachwuchsen, wurden die Halsstummel mit Fackeln ausgebrannt, um die Erneuerung der Köpfe zu verhindern. Dies übernahm Jolaus, der Wagenlenker des Helden. Ein Kopf war unsterblich und wurde von Herakles in ein tiefes Loch geworfen, das er mit einem schweren Stein verschloss. Während des Kampfes wurde Herakles von einem Krebs attackiert, der ihn mit seinen Scheren unablässig in die Fersen zwickte. Für spätere Taten von Bedeutung waren die Pfeile, deren Spitzen Herakles mit dem Blut der Hydra vergiftete.

3. Das Einfangen der windschnellen Kerynitischen Hirschkuh. Herakles löste die Aufgabe mit Hilfe von Netzen, anderen Quellen zufolge überraschte er das überaus scheue Tier im Schlaf. Die Version, nach der Herakles die * Hindin mit einem seiner Pfeile betäubt haben soll, ist unwahrscheinlich, da das Pfeilgift zum qualvollen Tod geführt hätte.

4. Die Erlegung des * Erymanthischen Ebers. Herakles trieb den das Land verwüstenden Wildeber in tiefen Schnee und brachte ihn so zur Strecke. Auf der Suche nach dem gefürchteten * Keiler kam Herakles auch zur Höhle des * Kentauren * Pholos, der ihn freundlich aufnahm und bewirtete. Die vom Duft der Speisen und Getränke angelockten Gefährten des Pholos fielen über Herakles her, der daraufhin einige von ihnen mit seinen Pfeilen tötete. Beim Versuch, einem seiner Genossen den Pfeil zu entfernen, verletzte sich auch Pholos und starb. Die übrigen flohen zum weisen Kentauren * Cheiron, der als einziger von ihnen unsterblich war. Als auch Cheiron von einem der Pfeile getroffen wurde, verzichtete er zugunsten des * Titanen * Prometheus auf seine Unsterblichkeit, die die Erlösung von seinen quälenden Schmerzen verhinderte.

5. Die Vertreibung der * Stymphalischen Vögel. Die im Sumpf um den See von Stymphalos in Arkadien nistenden Vögel waren eine große Plage. Sie hatten Schnäbel, Klauen sowie Federn aus Eisen und fraßen alles kahl; sie sollen auch Menschen angegriffen und getötet haben. Aufgescheucht durch Metallklappern, die Herakles von * Athene erhalten hatte, erhoben sich die Vögel in die Lüfte. Herakles vermochte deshalb einige von ihnen abzuschießen, worauf die anderen das Weite suchten.

6. Die Reinigung der Rinderställe des Königs Augias von Elis. Herakles leitete zwei Flüsse in die riesigen Pferche, die den jahrelang angesammelten Dung fortschwemmten. Vorher hatte Herakles von König Augias das Versprechen auf ein Zehntel der Herde erwirkt, falls es ihm gelänge, die Arbeit in nur einem Tag zu vollbringen.

7. Die Bändigung des kretischen Stiers. Dieser hätte * Poseidon dargebracht werden sollen, doch König * Minos, der das schöne Tier nicht missen wollte, ließ den Stier zu seinen Herden bringen und opferte dem Gott einen anderen Bullen. Darüber erzürnt, ließ der Meergot das Tier rasend werden. Herakles schaffte es, den Stier zu zähmen, und gelangte auf dessen Rücken über das Meer zu Eurystheus.

8. Die Erlangung der menschenfressenden Rosse des Thrakerkönigs Diomedes. Die mit eisernen Ketten gefesselten wilden Rosse wurden von dem grausamen König mit dem Fleisch der Fremden gefüttert, die in sein Land kamen. Herakles tötete Diomedes, warf ihn den Pferden zum Fraß vor, machte die Tiere dadurch gefügig und brachte sie zu Eurystheus.

9. Die Gewinnung des Gürtels der Amazonenkönigin * Hippolyte. Der Überlieferung nach wurde die Königin durch einen Orakelspruch bewogen, Herakles den kostbaren Wehrgurt kampflos zu überlassen. Hera jedoch hatte ihre Stammesgenossinnen aufgewiegelt, so dass diese über den Helden herfielen. Im Kampf soll neben vielen * Amazonen auch deren Königin ums Leben gekommen sein. Den von Herakles überbrachten Gürtel überließ Eurystheus seiner Tochter Admete.

10. Die Erbeutung der Rinder des Riesen * Geryon. Die auf der Iberischen Halbinsel weidende Herde wurde von dem riesigen Hirten Eurytion, einem Sohn des * Ares, und dessen zweiköpfigem Hund Orthros bewacht. Herakles erschug beide und machte sich mit den Tieren auf den Weg zu Eurystheus. Den mit drei Leibern und sechs Armen schier unbezwingbaren Riesen, der die Verfolgung seiner Herde aufgenommen hatte, tötete Herakles mit einem Pfeilschuss. Über die Art und Weise, wie der Held die Herde nach Mykene brachte, gibt es viele Geschichten. Beispielsweise wird erzählt, dass die Kontinente zu der Zeit noch miteinander in Verbindung waren oder dass sie sich noch nicht so weit voneinander entfernt hatten und der Held zwei von ihm errichtete Säulen (* Säulen des Herakles) durch eine Brücke verband.

11. Die Erlangung dreier goldener Äpfel der * Hesperiden. Im äußersten Westen, dort wo * Atlas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt, befindet sich der Garten der Hesperiden, in dem * Gäa als Hochzeitsgeschenk für Zeus und Hera einen Baum mit goldenen Äpfeln hatte wachsen lassen. Er wurde von den Hesperiden und dem hundertköpfigen Drachen * Ladon bewacht. Herakles überredete Atlas, ihm drei der goldenen Früchte zu holen, und machte sich erbötig, in der Zwischenzeit die Last des Himmelsgewölbes für ihn zu tragen. Um länger von der Bürde befreit zu sein, wollte Atlas die wertvolle Gabe selbst zu König Eurystheus bringen. Herakles willigte scheinbar ein, bat den * Titanen aber, das schwere Himmelsgewölbe nur kurz wieder zu übernehmen, um ein Kissen als Unterlage beschaffen zu können. Doch kaum hatte Atlas seinen alten Platz eingenommen, suchte Herakles mit den goldenen Äpfeln das Weite.

12. Die Entführung des Höllenhundes Kerberos (* Zerberus). Um gegen alle Schrecken gefeit zu sein, ließ sich Herakles von Eleusis in die Geheimnisse des Reiches der Toten einweihen. An der Seite von * Hermes, der die Seelen der Toten in das Reich der Schatten begleitete, stieg Herakles sodann in die Unterwelt hinab. * Hades, der Gott der Unterwelt, gewährte Herakles die Bitte, den dreiköpfigen Höllenhund zu Eurystheus zu bringen, wenn es ihm gelänge, das Tier mit bloßen Händen zu bändigen. Nach langem erbitterten Kampf, in dessen Verlauf der Held mehrmals von dem als Schlangenkopf endenden Schwanz des Höllenhundes gebissen wurde, war das Untier schließlich gebunden und konnte zu Eurystheus gebracht werden. Dieser beschwor Herakles, das geifernde Untier schnell wieder fortzuschaffen.

Nach Ausführung der zwölf Arbeiten (Dodekathlos) musste Eurystheus den Heroen freigeben. Im Zusammenhang mit den zwölf Heldentaten wird noch von vielen anderen Abenteuern berichtet, von denen die nachfolgenden die bekanntesten und in der Bildenden Kunst die am häufigsten dargestellten sind: "Herakles bei * Omphale", "Der Kampf mit dem Riesen * Antäus" und * "Nessus raubt Dejanira" (bei diesem Motiv ist Herakles oft nur in der Ferne wiedergegeben). Ferner wird von der Begegnung des Helden mit dem Tod berichtet: Auf dem Weg zu Diomedes rang der Held erfolgreich mit * Thanatos, dem Tod, und entriss ihm die schöne * Alkestis. Bekannt ist auch die Errettung * Hesiones. Als Herakles, von den Amazonen kommend, an der Küste * Trojas landete, fand er Hesione an eine Klippe am Meeresufer gefesselt und einem Seeungeheuer hilflos ausgeliefert. Darstellungen seines Kampfes mit dem Untier weisen viele Parallelen auf mit dem Kampf des * Perseus um * Andromeda. Über das Ende des Herakles vgl. * Herakles' Tod.

L. W. TISSOT, Simson und H. in den Gestaltungen des Barock, Diss. Greifswald 1930, Stadtroda 1932; W. A. BULST, Hercules-Arbeiten, Diss. Heidelberg 1973; K. SCHEFOLD, Die Urkönige Perseus, Bellerophon, H. und Theseus in der klass. und hellenist. Kunst, München 1986; R. VOLLKOMMER, H., Die Geburt eines Vorbildes und sein Fortbestehen bis in die Neuzeit, in: Idea. Jahrb. der Hamburger Kunsthalle 6, 1987; F. BROMMER, H.: die 12 Taten des Helden in antiker Kunst, München 1988.


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