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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Hofschule Karls d. Kahlen , Sammelbezeichnung für zwölf * Handschriften aus dem Zeitraum von 840-877, die mit Karl d. Kahlen in Verbindung gebracht werden. Während die * Hofschule Karl d. Gr. in Aachen lokalisiert wird, reicht die Zuordnung der Handschriften der Hofschule von Compiègne über Corbie und St. Denis bis Reims, je nach dem jeweiligen Aufenthaltsort des Herrschers.

Die Handschriften der Hofschule sind farblich besonders prächtig ausgeführt und mit Goldtinktur reich verziert. Auffallend ist die häufige Verwendung des * Akanthus als Einzelmotiv und bei * Kopf- und * Randleisten. Ein Schreiber der Hofschule war Liuthard(us). Von ihm sollen zumindest drei Handschriften stammen, und zwar ein * Evangeliar (Darmstadt, Hess. Landesbibliothek), der * Psalter Karls d. Kahlen (Paris, Bibliothèque Nationale) und der * Codex aureus aus St. Emmeram (München, Bayerische Staatsbibliothek). An der Ausfertigung der Schriften war möglicherweise auch Beringar, der Bruder des Klerikers und Skriptors Liuthard, beteiligt. Wie bei der Hofschule Karl d. Gr. zählen auch bei der Hofschule Elfenbeinschnitzereien zu den Hauptwerken. Auffallend bei den Elfenbeinarbeiten ist die große Anzahl kleiner, zum Teil freigeschnittener und äußerst bewegt dargestellter Figuren. Für gewöhnlich sind mehrere Motive übereinander angeordnet und durch Stege miteinander verbunden. Die Stege haben die Form wellenkammförmig aneinandergereihter, ornamental stilisierter Erdschollen. Eingefasst sind die Darstellungen durch Akanthusumrahmungen. Ein charakteristisches Beispiel hierfür ist der zwischen 842 und 869 entstandene Einband, der zum Unterschied von vielen anderen immer noch mit dem zugehörigen Schriftteil, dem * Psalter Karls d. Kahlen, verbunden ist (Bibliothèque Nationale, Paris). Als Vorbild für die 14 x 9 cm großen Tafeln, die in dem mit reicher * Filigranarbeit und * Schmucksteinen verzierten Einband des Psalters eingesetzt sind, dienten für die Schnitzarbeiten der Vorderseite Illustrationen der * Psalmen 50 und 56 des * Utrecht-Psalters und für die Rückseite Schilderungen einiger Verszeilen des 57. Psalms.

Zur so genannten Liuthard(us)-Gruppe zählen das so genannte Kreuzigungsrelief, das ursprünglich vermutlich zum Einband des Evangelienbuches Karls d. Kahlen gehörte, dann aber als Deckelplatte des * Perikopenbuches Heinrichs II. verwendet wurde, das sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München befindet. Die um 860-70 datierte Arbeit besteht aus fünf Teilen, wobei die Ornamentstäbe rechts und links des Mittelstückes möglicherweise im 11. Jh. bei der Anbringung auf dem Perikopenbuch hinzugefügt wurden, ihr Gesamtausmaß beträgt 29,4 x 19,2 cm. Bei dem als Mittelteil dienenden Kreuzigungsrelief, mit den Abmessungen 27,9 x 12,6 cm, handelt es sich um die größte Elfenbeintafel der Hofschule. Denselben Stil weisen auch die in Zürich, Schweizerisches Landesmuseum, aufbewahrten Elfenbeintafeln des Gebetbuchs Karls d. Kahlen auf. Die Darstellungen dieser beiden Tafeln sind Wiedergaben der in den Psalmen 24 und 26 enthaltenen Illustrationen des Utrecht-Psalters. Der Schriftteil wird in der Schatzkammer der Münchener Residenz aufbewahrt. Da die zur Liuthard-Gruppe gezählten Elfenbeine eine starke Anlehnung an die für Ebbo von Reims gefertigten Buchmalereien (Utrecht Psalter) aufweisen, die vierzig Jahre vor der Liuthard-Gruppe entstanden, meinen P. Lasko und D. Gaborit Chopin, dass die Elfenbeine auch schon zur Zeit Ludwigs d. Frommen geschnitzt worden sein könnten, später in den Besitz Karls d. Kahlen gelangten, der sie dann, ihrer Schönheit wegen, einer Wiederverwendung zuführen ließ (D. Gaborit-Chopin, Elfenbeinkunst i. MA, S. 64). Anderseits wird als Aufenthaltsort der Schnitzer der Hof des Erzbischofs Hinkmar von Reims in Erwägung gezogen (* Liuthard-Gruppe).

D. SCHWARZ, Das Schweizerische Landesmus. 1898-1948, Nr. 18-19, Zürich 1948; P. E. SCHRAMM, F. MÜTHERICH, Denkmale der dt. Kaiser u. Könige, 768-1250, Nr. 43, München 1962; F. STEENBOCK, Der kirchl. Prachteinband im frühen MA von d. Anfängen bis zum Beginn d. Gotik, Berlin 1965; H. FILLITZ, Elfenbeinreliefs vom Hofe Kaiser Karls d. Kahlen, Beitr. zur Kunst d. MA., in: FS für H. Wentzel, 1975, S. 41-51; A. L. VANDERSALL, The relationship of sculptors and painters in the Court School of Charles the Bald, in: Gesta 15, 1976; D. GABORIT-CHOPIN, Elfenbeinkunst im MA, Berlin 1978; W. KOEHLER, F. MÜTHERICH, Karoling. Miniaturen, Bd. 5: Die H., Berlin 1982.


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