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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Holzschnitt , Xylographie, älteste graphische Technik der Vervielfältigung. Es handelt sich dabei um ein * Hochdruckverfahren, das heute noch als Kunstzweig Verwendung findet, nicht mehr aber der Informationsübermittlung dient.

Die bekannteste Art des Holzschnittes (* Holzstichs) ist der so genannte Schwarzschnitt oder * Schwarzlinienschnitt, das Gegenstück zu dem selteneren * Weißlinienschnitt, der seit dem 16. Jh. als Variante auftauchte; noch seltener ist der * Farbholzschnitt. Die Herstellung erfolgte in der Weise, dass eine Seite einer 2-5 cm dicken Holztafel (* Holzstock) sorgfältig geglättet und mit einer dünnen Kreideschicht überzogen wurde. Der Zeichner, früher "Reißer" genannt, riss die Linien in der Beschichtung an, dann erfolgte das Freischneiden. Beim Schwarzlinienschnitt wurden mit scharfen Messern mit verschieden geformten Klingen, später auch mit * Sticheln, jene Teile weggeschnitten, die nach dem Abdruck auf dem Papier nicht sichtbar sein sollten.

Beim Weißlinienschnitt sind, im Unterschied zum Schwarzlinienschnitt, die Darstellungen vertieft eingeschnitten. Sie nehmen keine Druckfarbe an und bleiben beim Abdruck am Papier weiß, während sich die Farbe des erhöht ausgeführten Umfeldes beim Abdruck auf das Blatt überträgt. Mit erwärmter Druckerschwärze versehen, übertrugen sich die als Stege auf dem Holzstock erhöht belassenen Partien seitenverkehrt auf das leicht angefeuchtete Papier, gegen das der Holzstock gepresst wurde, oder umgekehrt (* Reiberdruck). Die Herstellung des hölzernen Druckstocks besorgte entweder der entwerfende Künstler selbst oder ein * Formschneider. (Auch * Dürer soll sich Formschneider bedient haben. In dem Zusammenhang findet beispielsweise ein gewisser H. Andrea Erwähnung und der Formschneider Jost de Negker, gest. 1544, war u. a. für H. Burgkmair tätig.) Holzschnitte werden mit geringem Anpressdruck vervielfältigt, wodurch die für den Tiefdruck (* Kupferstich etc.) kennzeichnende Vertiefung im Papier (* Plattenrand) nicht auftritt. Wenn der Holzschnitt in der Technik des Reiberdrucks entstand, sind statt dessen auf der Rückseite des Papiers, durch das Anreiben an den Holzstock, die Darstellungen meist etwas durchgedrückt.

Obgleich bereits im 4. Jh. n. Chr. der im Prinzip gleiche * Zeugdruck aus dem Orient übernommen wurde, entstanden Holzschnitte erst viel später. Die ältesten erhaltenen Holzschnitte stammen aus dem 8. Jh. aus Ostasien. In größerem Umfang wurde der Holzschnitt erst nach der Verbreitung des * Papiers in Europa gebräuchlich (gegen Ende 14. Jh.). Es handelte sich dabei um einfache, meist mit * Kolorierung versehene Bilddrucke (* Einblattdrucke). Seit dem 15. Jh. wurden auch auf die Bilddrucke bezugnehmende Texte in den Holzstock eingeschnitten und die damit bedruckten Blätter zu so genannten * Blockbüchern gebunden. Auch nach Erfindung des * Buchdrucks mit separaten * Lettern wurde der Holzschnitt weiterhin für die Vervielfältigung von Abbildungen verwendet. Besonders bekannt für seine Holzschnitt-Folgen als Buchillustrationen wurde der Schweizer * Jost Amman (1539-1591).

Die mit etwa 2000 Holzschnitten illustrierte * Schedelsche Weltchronik ist das umfangreichste mit Holzschnitten bebilderte Buch der abendländischen Literatur. Als Reproduktionsverfahren für Gemälde diente vor allem der * Clair-obscur-Schnitt. Die Verfeinerung des Holzschnittes, der so genannte * Holzstich, war bis zur Erfindung der photomechanischen Reproduktionstechnik zur Vervielfältigung von Zeichnungen für Illustrationen von Büchern und Zeitschriften in Verwendung.

G. HIRTH, R.MUTHER, Meisterh. aus vier Jh., München, Leipzig 1893; F. J. STADLER, Michael Wolgemut und der Nürnberger H. im letzten Drittel des XV. Jh., Straßburg 1913; W. L. SCHREIBER, Handb. der Holz- und Metallschnitte des 15. Jh. Stark vermehrte und bis zu den neuesten Funden ergänzte Umarbeitung des "Manuel de l'amateur de la gravure sur bois et sur métal au 15e siècle", 8 Bde., Leipzig 1926-1930, Neuauflag. Stuttgart 1969, 1976; Th. MUSPER, Der H. in 5 Jh., Stuttgart 1964; M. J. FRIEDLÄNDER, Der H., Berlin 1970; H. RUMPEL, Der H., Genf 1972; H. APPUN, Ch. v. HEUSINGER, Riesenh. und Papiertapeten der Renaissance, Unterschneidheim 1976; W. L. SCHREIBER, H. Th. MUSPER, Handb. der Holz- und Metallschnitte des XV. Jh., Stuttgart 1976; H. HAUPT-LEHMANN, An Introduction to the woodcut of the 17th century, New York 1977; H. KÖRNER, H. BAUER (Hg.), Der früheste dt. Einblatth., in: Studia Iconologica, München 1979; S. E. FUCHS, Der H., Recklinghausen 1980; H. WENDLAND, Dt. H., Königstein i. T. 1980; M. HEFFELS, Meister um Dürer. Nürnberger H. aus der Zeit um 1500-1540, Ramerding 1981; W. KOSCHATZKY, Die Kunst der Graphik, München 1988.


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