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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Ikone , von griechisch eikon, "Bild",

Bezeichnung für meist gemalte, mit Goldhintergrund versehene Kultbilder der Ostkirche. Wie bei den * Tafelbildern dienen meist verleimte Holztafeln mit einem * Kreidegrund als Bildträger. Oft ist die eigentliche Malfläche gegenüber dem Rand etwas vertieft; diese Ausnehmung wird Arche oder Reliquiar genannt. Die Rückseite der Ikone ist mit eingefalzten Querhölzern versteift, den so genannten Riegeln, die das Werfen der Tafeln verhindern sollen. Manchmal werden auch Darstellungen als Ikone bezeichnet, die zur Gänze aus emailliertem Metall oder aus Elfenbein bestehen.

Die ersten Ikonenmaler dürften im 5. Jh. tätig gewesen sein. Zu den ältesten erhaltenen Beispielen zählen die Ikonen aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai (heute Staatliches Museum Kiew). Sie werden in das 6. Jh. datiert und sind in später * graeco-ägyptischer Manier gemalt . Mit der Technik der * frontalen Wiedergabe, den großen Augen und der stark verjüngten Kinnpartie ähneln diese frühen Objekte den in * Enkaustik gefertigten ägyptischen * Mumienporträts. Bis zum Mittelalter war die Technik der Enkaustik auch bei Ikonen gebräuchlich; nach dem Bilderstreit wurde sie abgelöst von der * Tempera, wobei zuerst die * Imprimitur aufgetragen wurde, gefolgt von dem * Glykasmus, ferner dem meist vorhandenen Goldgrund und der dritten Malschicht sowie mehreren aus Leinöl bestehenden Firnisschichten.

Durch den * Ikonoklasmus (Bilderstreit) wurde die Ikonenmalerei unterbrochen, um danach, ab der Mitte 9. Jh., eine Renaissance zu erleben. In der postikonoklastischen Ikonenmalerei sehr verbreitet ist ein Marienmotiv, für das die 867 in der * Apsis der * Hagia Sophia zu Konstantinopel als Mosaik gestaltete Mariendarstellung als Vorbild diente. Ikonen werden häufig als "Fenster zur Ewigkeit" bezeichnet. Jesus, Maria und die Heiligen sind * ikonographisch standardisiert dargestellt. Von manchen Ikonen heißt es, sie seien nicht von Menschenhand geschaffen; sie werden * Acheiropoietoi genannt und genießen besondere Verehrung. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 verlagerte sich der Schwerpunkt der Ikonenherstellung nach Russland.

Als Ikonenmaler betätigen sich auch die Mönche am Berg Athos, die heute noch die alten, im "Malerbuch vom Berg Athos" überlieferten Maltechniken und die kanonisch festgelegte Wiedergabe der einzelnen Personen und Motive beherrschen. Diese Schrift geht auf alte Überlieferungen zurück und ist nur noch in Form von Abschriften erhalten (* Malerhandbuch des Malermönches Dionysios vom Berge Athos, München - Slavisches Institut, München 1983). In orthodoxen Kirchen sind die Ikonen an der * Ikonostase befestigt, das ist jene dreitürige Ikonenwand, die den Altar vom Gemeinderaum trennt. Die * Deesis bildet dabei das Zentralmotiv; sie stellt den thronenden Heiland dar, flankiert von den beiden Fürbittern Maria und * Johannes Baptista.

Weitere Motive sind der Festzyklus, Erzväter und Propheten, Evangelisten, Erzengel, Patrone und lehrbildhafte Szenen aus der Bibel (* Verkündigung, * Geburt Christi etc.). Im 13. Jh. gab es bei kleineren Ikonen erstmals getriebene Metallverkleidungen, * Oklad oder * Risa genannt, die im 16. Jh. dann große Mode wurden. Sie bestehen häufig aus mit Email und Perlen verziertem Silber und bedecken den Rand sowie den * Grund des Bildes. Die gemalten Teile, häufig nur Kopf und Hände, wurden im Metall ausgespart. Die seit dem 17. Jh. auch in Privathäusern üblichen Ikonen sind nicht nur Ausdruck gemalter Frömmigkeit und bildhafter Theologie, sondern auch Zeugen der apotropäischen Wünsche der Gläubigen. Die dargestellten Heiligen werden als Fürsprecher, als Patrone angesehen, als Vermittler zwischen dem allgewaltigen dreieinigen Gott und den Menschen. Man versicherte sich ihrer Präsenz durch ihre Wiedergabe auf den Ikonen und verehrte sie, indem man für die Erhaltung des Gotteshauses Geld spendete, vor den Ikonen Räucheropfer darbrachte, Kerzen anzündete und die Ikonen mit Blumen schmückte.

N. H. BAYNES, The Icons before Iconoclasm, in: Harvard Theological Review, Cambridge/Mass. 44, 1951; W. FELICETTI-LIEBENFELS, Gesch. der byzantin. I.malerei - von ihren Anfängen bis zum Ausklange - unter Berücksichtigung der Maniera Greca und der Italo-Byzantin. Schule, Olten, Lausanne 1956; D. TALBOT RICE, Byzantine Icons, London 1959; K. ONASCH, I., Berlin 1961; R. LANGE, Die byzantin. Reliefi., Recklinghausen 1964; K. ONASCH, Die I.malerei, Leiden 1968; H. SKROBUCHA, Von Geist und Gestalt der I., Recklinghausen 1970; G. EGGER, Späte griech. I., Wien 1971; W. FELICETTI-LIEBENFELS, Gesch. der russ. I.malerei, Graz 1972; V. LASAREV, I. der Moskauer Schule, Berlin 1977; K. ONASCH, Altruss. I., Berlin 1977; H. SKROBUCHA, I.museum Recklinghausen, Recklinghausen 1977; K. WEITZMANN, Die I. 6. bis 14. Jh., München 1978; K. SOMMER, I. Ein Handb. für Sammler und Liebhaber, München 1979; L. SHEGIN, Die Sprache der Bilder. Form und Konvention in der alten Kunst, Dresden 1982; Chr. SCHÖNBORN, Die Christus-I., Schaffhausen 1984; I. BENTSCHEV, Handb. der Muttergottesi., Bonn 1986; H. L. NICKEL (Hg.), I. und frühes Tafelbild, in: Wissenschaftl. Beitr. d. M.-Luther Univ. Halle-Wittenberg 67, l986; V. IVANOV, Das große Buch der russ. I., Freiburg i. Br. 1988; I. L. KYSLASSOVA, Die russ. I. Staatl. hist. Mus. Moskau, Leningrad 1988.


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