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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Impressionismus , von französisch impression, "Eindruck",

Gegen 1860-70 in Frankreich entstandener Kunststil, der um 1890 in ganz Europa verbreitet war und bis in das erste Drittel 20. Jh. währte. Anfänge der Strömung gab es schon in der 1. Hälfte 19. Jh. Der Name geht auf das 1872 entstandene Landschaftsbild Claude Monets mit dem Titel "Impression, soleil levant" (Eindruck, Sonnenaufgang) zurück (Musée Marmottan, Paris). Bekannt geworden ist der Ausdruck Impressionismus durch den Kritiker Leroy, der das Wort in der Zeitschrift * Charivari vom 25. April 1874 abwertend in Verbindung mit der Malweise bzw. mit Gemälden verwendete, die in einer Ausstellung im Atelier Nadar präsentiert worden waren.

Die oft bloß angedeuteten, aber nicht vollendet wirkenden Darstellungen wurden von den Kritikern anfangs ignoriert oder mit abfälligen Kommentaren bedacht, und auch das Interesse der Kunstsammler war gering. Die Verantwortlichen des * Salons zeigten gleichfalls wenig Verständnis für die Malweise, deshalb organisierten die Impressionisten ihre Präsentationen selbst. Bis 1886 fanden insgesamt acht gemeinsame Ausstellungen statt. Zum Unterschied von den offiziellen Stellen und vielen Kritikern traf der Impressionismus den Geschmack des intellektuellen Kleinbürgertums, das die Arbeiten ankaufte und so zur raschen und erfolgreichen Verbreitung der Malweise beitrug. Auch die * Bourgeoisie fand Gefallen an den neuen Darstellungsbereichen: lichtdurchfluteten Boulevardszenen mit elegant gekleideten Damen, flott fahrenden Droschken, Blumenverkäuferinnen, Restaurantvorgärten, sonnigen Landschaftsszenen mit Bauern oder Spaziergängern, Flusslandschaften oder Küstenstreifen. Beliebt waren auch Darstellungen von Tänzerinnen und von Frauen bei der Toilette.

Kennzeichnend für die Malweise des Impressionismus ist die Abkehr von der konventionellen Ateliermalerei und den starren Lehren der * Akademie. Der streng formale Bildaufbau und die Zentralperspektive wurden aufgegeben und weitgehend helle, freundliche Farben verwendet. Gemalt wurde in einer die Konturen auflösenden Technik. Die Natur ist zwar begreifbar und erfassbar wiedergegeben, aber nicht in der bis dahin üblichen naturalistischen Weise. Bevorzugt wurde der * Pleinairismus, die Arbeit im Freien, die nuancierte Darstellung von Licht und Schatten, in Verbindung mit dem Spiel des Sonnenlichts und den dadurch entstehenden Reflexen. Typisch für den Impressionismus ist ferner die Erfassung des Augenblicks, etwa der eilfertige Kellner, der aus dem Bild rennend nur halb dargestellt ist, oder eine nur zur Hälfte wiedergegebene Kutsche etc. Wegbereitend für den Impressionismus war die * Schule von Barbizon. Charakteristisch ist die illusionistische Wiedergabe der Realität. Nicht das Objekt an sich ist von Bedeutung, sondern die Nuancen und Übergänge sowie der durch die Darstellung entstehende Eindruck, etwa das Flirren des Sonnenlichts bei dem von C. Pissarro stammenden Gemälde "Junimorgen bei Pontoise".

Von Monet gibt es Studien, wie das wechselnde Tageslicht die Farben ein und desselben Objektes verändert. Bisweilen wurde auch in geschlossenen Räumen mit künstlichen Lichtquellen gemalt und das damit verbundene Farbenspiel raffiniert wiedergegeben. Bekannte Vertreter des Impressionismus waren neben den schon erwähnten Malern u. a. F. Bazille, K. Blechen, J. Constable, G. Courbet, E. Degas, E. Delacroix, M. Liebermann, E. Manet, A. Renoir, A. Sisley, W. Turner und A. Zorn. Auf ihre Weise hatten schon Goya und Velázquez die Prinzipien des Impressionismus vorweggenommen. Aus der Technik, Farbtöne nicht abzumischen, sondern aus dicht nebeneinander gesetzten Einzelfarben (Farbkommata) zu bilden, entstand eine spezielle Art des Impressionismus, wobei man sich der Erkenntnisse des französischen Chemikers Michel Eugène Chevreul bediente. Der beabsichtigte Farbeffekt entsteht erst bei Betrachtung aus einiger Entfernung. Die Farbpartikel vereinigen sich durch die so genannte optische Mischung im Auge des Beschauers zur vorgesehenen Farbe und zur Darstellung. Extreme Beispiele dieser Technik sind bei dem etwa 1885 aufgekommenen Neoimpressionismus zu finden, auch * Pointillismus genannt. Bekannte Vertreter dieser punktförmigen Malweise waren G. Seurat und P. Signac. Von den Bildhauern dieser Zeit hat sich mit dem Gedankengut des Impressionismus vor allem A. Rodin auseinandergesetzt, der das Spiel von Licht und Schatten durch die Unebenheiten auf der Oberfläche seiner Skulpturen erzeugte. Auch die Maler A. Renoir und E. Degas schufen Skulpturen in impressionistischer Manier.

Th. DURET, Les Peintres impressionistes, Paris 1876, Neuaufl. 1946; J. MEIER-GRAEFE, Impressionisten, München, Leipzig 1906; Th. DURET, Die Impressionisten, Berlin 1909; L. VENTURI, Les Archives de l'Impressionisme, 2 Bde., Paris, New York 1939; F. NOVOTNY, Die großen franz. Impressionisten, Wien 1952; J. LEYMARIE, I., 2 Bde., Genf 1955; W. BALZER, Der franz. I., Dresden 1958; F. MATTHEY, Die Impressionisten, München, Zürich 1960; J. REWALD, Die Gesch. des I., Köln 1965; P. H. FEIST, Impressionist. Malerei in Frankreich, Dresden 1970; M. SÉRULLAZ, Les peintres impressionistes, Paris 1973; 1874, Naissance de l'Impressionisme, Kat., Bordeaux 1974; M. SÉRULLAZ, Encyclopedia de l'Impressionisme, Paris 1974; H. KELLER, Die Kunst der franz. Impressionisten, Basel, Wien 1975; R. COGNIAT, A Dictionary of Impressionism, London 1977; American Impressionism, Kat., Washington D. C. 1980; J. REWALD, History of Impressionism, London 1980; Der amerikan. I., Kat., Washington 1982; Ch. S. MOFFITT (Hg.), The New Painting. Impressionism, Kat., Washington D. C., London 1986; K. McCONKEY, British Impressionism, Oxford 1989; Der I. in Wort und Bild, Berlin, Darmstadt, Wien 1989; Landschaft im Licht, Kat., Köln 1990.


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