Iserlohner Tabaksdosen , von 1755-1777 in Iserlohn/Westfalen gefertigte 12-16 cm lange, 4-5 cm breite und ca. 3 cm hohe schmalrechteckige Rauchtabaksdosen mit abgerundeten Ecken und Scharnierdeckel.
Während die Wandung der Dosen oft aus Kupfer besteht, sind Deckel und Dosenboden meist aus Messing gefertigt, manchmal ist es umgekehrt, und es gibt auch Dosen, die zur Gänze aus dem einen oder anderen Material bestehen. Die Form der Dosen geht auf holländische Vorbilder zurück. Anfänglich wurden die Dosen graviert, später im Walzverfahren mittels Stahlmatritzen gefertigt. Als erster wendete der Graveur Johann Heinrich Giese (1716-1761) in der "Kessel- und Dosenfabrique" in Iserlohn dieses auf Serienproduktion ausgerichtete Verfahren an und bekam 1755 von Friedrich II. das alleinige Fertigungsrecht für die Iserlohner Tabaksdosen zugesprochen. Die Dosen, die während dieses Monopols entstanden, weisen an einer Schmalseite einen kleinen preußischen Adler auf. Von den Nachfolgern Gieses sind durch ihre Signaturen auf den Stanzen Johann Heinrich Hamer, Johann Adolph Keppelmann, Johann Heinrich Becker und H. C. Lohmann bekannt. Die Deckel und Böden der Dosen wurden mit diesen gestochenen (gravierten) Stahlstempeln geprägt. Dargestellt sind u. a. * Allegorien, ländliche Szenen, Jagdmotive, Städtebilder, Idealporträts Friedrichs II. d. Gr. von Preußen, Heiligendarstellungen und Schlachtenbilder aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), wobei vor allem die Siege der Preußen in den Schlachten von Prag, Vellinghausen, Crefeld, Torgau oder bei der Seeschlacht von Cartagena glorifiziert wurden. Friedrich d. Gr. sammelte Golddosen und verschenkte wertvolle Exemplare als Zeichen seiner Huld an verdiente Persönlichkeiten. Einer Legende nach soll der Herrscher aber auch Iserlohner Tabaksdosen mit seinem Porträt und einer Inschrift des Inhalts, dass der Name des Gebers den Wert erhöhe, als Präsente verwendet haben.
R. STEISKAL-PAUR, Iserlohner Dosen, in: Alte u. moderne Kunst, H. 114, Wien 1971; H. P. LOCKNER, Iserlohner Dosen, in: Kunst u. Antiquitäten IV, 1978; E. DOSSMANN, I. erzählen, Iserlohn 1981; D. KIRCHHOFF, E. Dossmann sammelt I., in: Sammler Journal, Nr. 10, Okt. 1981; W.-D. KÖNENKAMP, I. Bilder in einer Kriegszeit, Münster 1982; R. STEISKAL-PAUR, Rauchtabakdosen aus Iserlohn, in: Snuff Boxes oder Von der Sehnsucht d. lüsternen Nase, Kat. zur Sonderausst. d. Österr. Tabakmus., Wien 1991.
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