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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Jade , der oder die. Das Wort Jade stammt aus der Zeit der Eroberung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier und leitet sich ab von spanische piedra de ijada, "Lendenstein", "Stein (gegen den Schmerz) der Seite" (Kolikstein).

Zerriebene Jadestücke wurden früher als Heilmittel gegen Seitenschmerzen (Nierenleiden) eingenommen. Der Ausdruck kam als l'ejade in die französische Sprache und wandelte sich im 17. Jh. in le jade. Jade ist die Sammelbezeichnung für den zu den Augiten gehörenden leuchtend-grünen Jadeit, den dunkelgrünen, meist schwarz gefleckten Chloromelanit (Jadeit-Varietät) und den zu den Hornblenden zählenden grünen bzw. gelblich bis weißen * Nephrit.

Fälschlich werden auch viele ähnlich aussehende, in Härte und Lichtbrechung aber unterschiedliche Minerale als Jade bezeichnet, wie etwa der aus China stammende * Serpentin (Serpentin-Jade), der grüne Aktinolith (Smaragdit-Jade) und der braune Vesuvian (Vesuvian-Jade).

Jade ist mikrokristallin, undurchsichtig, aber kantendurchscheinend und kann wie folgt gefärbt sein: weiß, gelb, gelblichgrün bis dunkelgrün, rot und lila, wobei die smaragdgrüne, als Imperial- oder Kaiser-Jade bezeichnete Varietät am gesuchtesten ist. Die unterschiedliche Färbung beruht auf dem Grad der enthaltenen Metalloxide bzw. -silikate. Jadeit ist weniger milchig, sondern durchscheinender und in der Farbe kräftiger als Nephrit. Der am häufigsten vorkommende graugrüne Jade heißt Kohljade. Dunkelgrüner Jade mit lichteren Stellen wird volkstümlich als Spinatjade bezeichnet und der weiße, durchscheinende Stein als Hammelfettjade. Da Nephrit im * Neolithikum vor allem für Werkzeuge und Waffen in Form von Beilen Verwendung fand, nennt man ihn auch "Beilstein".

Im präkolumbianischen Mittelamerika war Jade wertvoller als Gold. Da die spanischen Eroberer Jade geringschätzten, wurden viele Jadeobjekte zerstört. Erhalten sind u. a. Äxte und Opfermesser. In China hat sich die alte Tradition der Jadebearbeitung bis in unsere Zeit erhalten. Ursprünglich wurde in China nur Nephrit verwendet; seit etwa 150 Jahren, durch Importe aus Birma, auch Jadeit. Unter den alten chinesischen Jadearbeiten finden sich beispielsweise mit Spiralmustern verzierte * Pi-Scheiben und Klangsteine, die durch Anschlagen zum Klingen gebracht werden können.

Auch in China wurde Jade mitunter höher geachtet als Gold. Jade war heilig und ein Symbol für Vollkommenheit. In der späten Chou-Zeit (ca. 3. Jh. v. Chr.) galt der Stein als Mittel gegen Leichenverwesung. Die Mächtigen des Reiches verfügten, ihre Körperöffnungen nach dem Tod mit Jadeplättchen zu verschließen. Einige Leichen fand man in Gewänder gehüllt, die aus mehr als zweitausend Jadestückchen gefertigt sind. Als feinstes und wertvollstes Leichengewand der Menschheitsgeschichte gilt das 1996 von Archäologen präsentierte Jade-Kleid des chinesischen Königs Liu Wu, das aus 4000 extrem dünnen Jadeplättchen besteht, die mit dünnem Golddraht verbunden sind. Zusätzlich ist der Stoff der Gewandung noch mit Goldblumen und Goldknöpfen geschmückt. Prinz Liu Wu war der dritte Regent des Chou-Staates der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 24 n. Chr.). Das im Nordosten Chinas am Löwenberg entdeckte Grab wurde durch 16 Felsblöcke vor Grabräubern gesichert. Erst seit der Ch'ing-Zeit (1644-1911) gelangte durch Importe aus Birma genügend Jade nach China, so dass auch weniger Begüterte kleine Gegenstände (Knöpfe usw.) aus dem geschätzten Material erwerben konnten. Abgesehen von kleinen Schmuckstücken, wurden seit dem 17. Jh. in China hauptsächlich * Snuff bottles aus Jade hergestellt, vor allem für den Export.

U. POPE-HENESSEY, Early Chinese Jade, London 1923; S. H. HANSFORD, The Disposition of Ritual Jade in Royal Burials of the Chou Dyn., in: Journal of the Royal Asiatic Society, London 1949; S. H. HANSFORD, Chinese Carved Jades, London 1968; Chinese Jade throughout the ages, Kat., London 1975; P. F. SCHNEEBERGER, The Baur Collections. Chinese jades and other hardstones, Genf 1976; R. BLOCH, J., München 1979; H. J. ECKARD, Chines. Jadegefäße des 18. Jh. und ihre Vorlagen, Diss. 1980, Bonn 1982; A. CHU, Jade, Stein des Himmels, Stuttgart 1982; F. G. ZEILEIS, Ausgewählte chin. J. aus sieben Jh., Korneuburg 1994.


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