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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Japanische Schwerter . In der japanischen Kunst- und Kulturgeschichte nimmt das Schwert in seinen verschiedenen Erscheinungsformen einen bedeutenden Platz ein. Früheste Stücke aus der Vor- und Frühgeschichte sind meist nur als Gräberfunde erhalten. Ihre heute bekannte Form bekamen die Japanischen Schwerter aber erst gegen Ende des 1. Jt., und ab da haben eine Reihe bedeutender Schmiedemeister diese Waffe technologisch und kunsthandwerklich derart perfektioniert, dass bis heute keine schönere und effektivere * Blankwaffe geschaffen worden ist.

Der Sammler unterscheidet nach historischen Perioden "alte" (koto), d. h. vor 1600 (nach anderen Autoren vor 1530) gefertigte Klingen, "neue" (shinto), d. h. von 1600 (1530) - 1800 (hier findet man in der Literatur auch das Datum 1720) entstandene und "ganz neue" (shinshinto), d. h. von 1800 - 1876 geschmiedete Stücke. Nach diesem Zeitpunkt wurde das Tragen von Schwertern in Japan verboten, es existierten aber ordonnanzmäßige Armee- und Polizeiwaffen nach europäischem Vorbild (oft unter Verwendung alter Klingen).

Das klassische japanische Schwert hat eine einschneidige, leicht gekrümmte Klinge und ein relativ langes * Gefäß mit einer Handschutzscheibe (* Tsuba) und einer Scheide aus lackiertem Holz. Das Besondere an der Schmiedetechnik der Klinge ist die Verwendung von Stahl und Eisen; diese beiden Materialien werden sorgfältig miteinander verschmiedet und geben der Schneide (im Zusammenhang mit einer speziellen Härtungstechnologie) glasähnliche Härte und Schneidhaltigkeit sowie dem Klingenkörper Zähigkeit und Elastizität. Die sorgfältige Politur gibt in Verbindung mit der Homogenität der Klingenteile die großtmögliche Sicherheit gegen ein Einreißen der Klinge, das deren Bruch bewirken könnte. Die Hauptwirkung der Klinge liegt in einem ziehenden Schneiden, was allerdings eine sorgfältige Ausbildung des Schwertkämpfers voraussetzt.

Nach der Tragweise unterscheidet man * Tachi, ein mittels eines * Gehänges getragenes, oft überlanges Schwert (primär für den Gebrauch berittener Kämpfer bestimmt) sowie * Katana (Langschwert) und * Wakizashi (Kurzschwert), die mit der Schwertkrümmung und der Scheide nach oben durch den * Obi (Gürtel) geschoben getragen werden und seit 1530 das klassische Schwerterpaar des * Samurai bilden. Dieses Schwerterpaar wird als * Daisho (dai-sho" = lang-kurz) bezeichnet, wenn beide Klingen vom selben Meister stammen. Überlange, am Rücken getragene Schwerter nennt man No-Dachi.

Daneben kann man die japanischen Schwerter auch nach Querschnittsformen der Klinge (z. B. shinogitsukuri, hiratsukuri usw.), nach dem inneren Aufbau, nach der Maserung der Oberfläche und der sichtbaren Form der Härtungslinie, nach der Form der Spitze, nach der Tiefe der Krümmung (= zori) oder nach anderen Stilelementen klassifizieren. Sie alle liefern Hinweise auf den Schmiedekünstler, der oft auch eine Signatur auf der * Angel der Klinge eingeschlagen hat, die beim sehr leicht durchführbaren Demontieren der Klinge sichtbar wird. Häufig haben die Schwertscheiden eine Ausnehmung, in der ein schmales scharfes Messer steckt, die so genannte * Kozuka.

I. BOTTOMLEY, A. P. HOPSON, Arms and Armour of the Samurai, London 1988; ICKE-SCHWALBE, Das Schwert des Samurai, Berlin 1979.


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