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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Jellingestil , den * Greiftierstil ablösende germanische Kunstform der Wikingerzeit (10. und 11. Jh.).

Für den Jellingestil sind vor allem die Tierornamente typisch, u. a. * Greife, die meist paarig angeordnet und durch bandartige Verschlingungen verbunden sind. Der Name Jellingestil geht zurück auf die im dänischen Jelling nahe Vejle/Jütland gefundenen Objekte aus dem 10. Jh., die Verzierungen aus symmetrisch bandartig verschlungenen Tierkörpern aufweisen.

In der Literatur Erwähnung findet vor allem ein in einem Königsgrab aus dem N-Hügel von Jelling geborgener, mit Ornamenten verzierter Silberbecher. Besonders bekannt sind auch zwei mit Bandverzierungen versehene * Runensteine aus Jelling, die zwischen zwei Hügeln neben einer romanischen Kirche aufgestellt sind. Einer der beiden Steine ist dreiseitig bearbeitet und wurde laut Inschrift zwischen 965 und 985 von König Harald Blauzahn für seinen Vater, König Gorm, und seine Mutter Thyra als Denkmal aufgestellt. Auf einer Seite ist Christus wiedergegeben (die älteste Christusdarstellung des Nordens) und auf einem Segment ein löwenähnliches Tier mit Nackenschopf, das mit einer Schlange kämpft und von dieser umwunden wird. Die Darstellung ähnelt den so genannten "großen Tieren", die auf Steinkreuzen aus dem nordenglischen Raum zu finden sind.

Als Vorläufer des Jellingestils werden sowohl die verschlungenen Tierornamente des jüngeren * Vendelstils angesehen als auch Vorbilder aus dem angelsächsischen Raum, der durch die Seefahrt erschlossen wurde. Während die dargestellten Tiere des Jellingestils im Westen Skandinaviens langgestreckt sind, wirken sie im Osten komprimierter, wie zusammengerollt.

D. M. WILSON, O. KLINDT-JENSEN, Viking Art, London 1966; K. RANDSBORG, The Viking Age in Denmark, Kopenhagen 1980; K. J. KROGH, The Royal Viking-Age monuments at Jelling in the light of recent archaeological excavations, in: Acta Archaeologica 53, Kopenhagen 1983; T. CAPELLE, Kultur- u. Kunstgesch. der Wikinger, Darmstadt 1984.


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