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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Jet , Jett, der, bituminöse Kohle aus dem Harz der Araucaria, einer großen Schuppentannenart aus der Jurazeit, der Zeit der Saurier, vor ca. 170 Mill. Jahren.

Eine andere Bezeichnung für Jet ist * Gagat. Bis ins 19. Jh. waren auch noch die Ausdrücke Gayet oder Jayet, Pechkohle, Schwarzstein, * Agtstein und schwarzer * Bernstein bzw. * Ambranoir gebräuchlich.

Das schon in der * Bronzezeit bekannte Material lässt sich leicht schnitzen, drechseln und polieren. Griechen und Römer nannten den Jet "gagates", nach dem Fluss Gagae (Türkei); daran erinnert heute noch die Bezeichnung Gagat. Mitunter wird das Wort auch von der Stadt Gagis in Lykien/Kleinasien abgeleitet, in deren Nähe man im Altertum diese Schmuckkohle fand.

Bereits den Römern ist aufgefallen, dass Jet, wenn man ihn stark reibt, kleine Teilchen anzieht. Da auch Bernstein diese Eigenschaft besitzt, d. h. sich elektrostatisch auflädt, galt Jet als "ambra noir" (schwarzer Bernstein). Tatsächlich ist Jett aber ca. 150 Mill. Jahre älter als der aus dem Harz von Bäumen des Oligozäns (frühes Tertiär) stammende Bernstein. Die Römer stellten aus Jett Armreifen, Perlenketten sowie * Amulette her und verwendeten das Material, zerrieben eingenommen, als Medizin. Boetius, der Arzt J. Cäsars, pries Jett u. a. als Mittel zur Feststellung der Jungfräulichkeit.

Im Mittelalter sagte man der Schmuckkohle vor allem magische Bedeutung nach. Durch kleine an der Haustür befestigte Kreuze aus * Agtstein - so der im Mittelalter gebräuchliche Name für Jet und auch für Bernstein - glaubte man, Hexen den Eintritt verwehren zu können. Die Hersteller von * Rosenkränzen ("Betenmacher", * Paternostermacher oder Paternosterer genannt) verwendeten mit Vorliebe das geheimnisvolle schwarze Material. Auch die im spanischen * Santiago de Compostela hergestellten so genannten * Jakobsmuscheln bestanden meistens aus Jet.

Besonders hochwertiger Jet wurde in der Nähe des englischen Fischerdorfes Whitby abgebaut. Von hier aus traten Kreuze und Rosenkränze aus Jet ihren Weg nach ganz Europa an. In Frankreich war das Gebiet der Languedoc das Zentrum der Jet-Verarbeitung. Im 19. Jh. verwendete man Jet vor allem für Schmuckstücke. Wegen seiner geringen Schwere - das spezifische Gewicht liegt zwischen 1,25 und 1,35 - bot das Material die Möglichkeit, auch große Schmuckstücke daraus herzustellen, wie es der damaligen Mode entsprach. Durch die * Weltausstellung von 1851 in London wurden Schnitzarbeiten aus Jett weltweit bekannt. Nachdem Königin Viktoria nach dem Tod des Prinzgemahls 1861 das Tragen von Schmuck (mit Ausnahme von Jet) am englischen Hof verboten hatte, galt Jet lange Zeit als * Trauerschmuck.

G. J. de OSMA, Catalogo de Azabaches Compostelanos, Madrid 1916; T. H. WOODWARK, The Rise and Fall of the Jet Trade, in: The 99th report of the Whitby Literary and Philosophical Society 28. October 1921, S. 25-34, Whitby 1922; H. P. KENDALL, The Story of Whitby Jet, Whitby 1936; W. HAGEN, Kaiserzeitl. Gagatarbeiten aus dem rhein. Germanien, in: Bonner Jahrb. 142, 1937; W. FREH, Gagat-Kohle als Schmuckstein, in: Jahrb. des Wissenschaftl. Notringes, Wien 1966; H. Muller, Jet Jewellery and Ornaments, in: Shire Album 52, Aylesbury, Bucks 1984.


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