Kanzel , von lateinisch cancelli, "Schranken", "Einzäunung".
Um von den Gläubigen bei der Predigt gesehen zu werden, stiegen die Geistlichen seit dem 4. Jh. auf den über mehrere Stufen erreichbaren * Ambo. Von hier aus wurde die Heilige Schrift verlesen und auch gepredigt. Oft gab es zwei Ambonen, ein Ambo diente dann zur Lesung der * Episteln, und vom anderen wurde das * Evangelium verlesen. Ende 12. Jh. ersetzte eine halbhohe Wand, der so genannte * Lettner, für gewöhnlich die niedrigen * Chorschranken.
Die beiden Lesepulte waren oft fixe Bestandteile des Lettners, wobei diese Ausführung dann meist Lettnerkanzel genannt wurde. Manchmal diente der Lettner auch als Sängerbühne. Mit der zunehmenden Bedeutung der Predigt am Beginn des 13. Jh. entwickelten sich in Italien aus den Lettnerkanzeln die ersten freien Kanzeln. Sie befinden sich oft nicht in unmittelbarer Nähe des Altars, sondern im Laienraum, damit der Priester bei der Predigt den Gläubigen möglichst nahe ist und von allen gesehen und gehört werden kann. Zumeist sind die Kanzeln an einer Säule oder an einem Langhauspfeiler angebaut. Um die Worte der Predigt nicht in der Höhe des Kirchenschiffs verhallen zu lassen, haben Kanzeln vereinzelt ab der Spätgotik und allgemein seit der Renaissance als Überdachung einen * Schalldeckel, auch Kanzelhaube oder Kanzelhimmel genannt.
F. RADEMACHER, Die Kanzel in ihrer archäologischen und künstlerischen Entwicklung ..., in: Zeitschrift christlicher Kunst 34, 1921; A. MITTERWEISER, K., in: Jahrb. d. Vereins f. christl. Kunst 7, 1929; H. MAYER, Dt. Barock-K., in: Studien zur dt. Kunstgesch. 287, Straßburg 1932; A. HENLE, Die Typenentwicklung der süddeutschen Kanzel des 18. Jh., Diss. Heidelberg 1933; P. POSCHARSKY, Die Kanzel Erscheinungsform im Protestantismus bis zum Ende des Barocks, in: Schriftenreihe des Institutes für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 1, Gütersloh 1963; G. ADRIANI, Der mittelalterl. Predigtort und seine Ausgestaltung, Diss. 1964, Tübingen 1966; D. KOHLER, Die barocken K. in Kärnten, Diss. Wien 1983; F. MIELKE, Steinerne K. mit auskragend gewundener Treppe, in: Das Münster, 37. Jg., H. 4, 1984.
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