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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Karikatur , von italienisch caricare, "übertreiben",

Bezeichnung für ein Spottbild, eine humorvolle oder auch sarkastisch übertriebene Wiedergabe eines Menschen, mit verzerrender Betonung von Unzulänglichkeiten durch Überbetonung von Tränensäcken, der Länge der Nase usw. oder durch symbolhafte Darstellung, etwa als Esel, in Verbindung mit pointiert-treffenden kurzen Texten als Erklärung. Karikaturen gab es vereinzelt schon in der Antike, wie griechische Vasenmalereien erkennen lassen. Die erste Blütezeit erlebte die Karikatur mit dem Aufkommen der Druckgraphik. Bekannte frühe Beispiele sind Darstellungen von * Aristoteles und Phyllis, etwa ein 1513 entstandener * Holzschnitt von Hans Baldung Grien.

Die durch druckgraphische Verfahren ermöglichte rasche und weite Verbreitung ließ die Karikatur zunehmend zur publizistischen Waffe werden, mit der missliebige Zeitgenossen verunglimpft wurden, oft in Verbindung mit einem Pamphlet. Krasse Beispiele von Porträtkarikaturen stammen aus den Bauernkriegen und der Reformationszeit, aus der Zeit der Französischen Revolution, aus der * Restauration sowie den Befreiungskriegen, wobei bei letzteren vor allem Napoleon I. das Ziel der Karikatur war. Besonders viele antinapoleonische Karikatur stammen von G. Schadow.

In der Zeit der Restauration in Frankreich war der bedeutendste Karikaturist, dessen Werke bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben, Honoré Daumier (1808-1879). Auch heute haben karikierende Darstellungen nichts an Aktualität verloren und sind fester Bestandteil von Zeitungen und Zeitschriften (vgl. * Cartoon).

E. FUCHS, Die Karikatur der europäischen Völker vom Altertum bis zur Neuzeit, 2 Bde., Berlin 1921; W. HOFMANN, Die Karikatur von Leonardo bis Picasso, Wien 1956; K. HAESE, Die gesellschaftskritische Karikatur im Simplicissimus. Karikatur und kritischer Realismus, Diss. Greifswald 1966; P. MÉTRAUX, Die Karikatur als publizistische Ausdrucksform. Untersucht am Kampf d. "Nebelspalters" gegen den Nationalsozialismus 1933-45, Diss. Berlin 1966; W. BOECK, Inkunabeln der Bildniskarikatur bei Bologneser Zeichnern d. 17. Jh., Stuttgart 1968; O. BAUR, Bestiarium humanum. Mensch-Tier-Vergleich in Kunst u. Karikatur, Gräfelfing 1974; Ladies, Lords u. Lumpenpack, Engl. K. 1780-1830, Kat., Göttingen 1974; E. LUCIE-SMITH, Die Kunst der K., Weingarten 1981; S. WOLF, Polit. K. in Dtl. 1848/49, Diss. München, Mittenwald 1982; Ereignis-K. Gesch. in Spottbildern 1600-1930, Kat., München 1983; R. WAGNER, Die Entstehung des Cartoons in seiner gegenwärtigen Form: dargestellt am Beispiel seiner Entstehung in den Zeitschr. The New Yorker and Punch, Diss. Marburg/Lahn 1983; G. LANGEMEYER u. a., Mittel und Motive der K. in 5 Jh. Bild als Waffe, Kat., München 1984; Politique et Polémique. La caricature française et la Révolution 1789-1799, Kat., Paris, Los Angeles 1989; R. JUNG u. a., Die K. zwischen Republik u. Zensur in Frankr. 1830-80, Marburg/Lahn 1990.


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