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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Karolingische Kunst , Bezeichnung für die unter den Karolingern vom Ende des 8. Jh. bis Mitte 10. Jh. existente Kunst.

Das karolingische Reich bestand aus dem Frankenreich, dessen Territorium einen Großteil der heutigen Gebiete Frankreichs, Belgiens und Deutschlands umfasste, sowie aus dem 774 unterworfenen Langobardenreich in Oberitalien. Ende 9. Jh. nahmen Frankreich und Burgund, 919 der deutsche Staat eigene Formen an.

Im französischen Raum wird die karolingische Kunst allgemein als "Style Charlemagne" bezeichnet, benannt nach Karl d. Gr. (reg. 768-814). Sie folgte im Stammland auf die merowingische Kunst, die aber nicht so homogen war wie die karolingische. Vor allem Karl der Große war bestrebt, das Erbe der Spätantike zu bewahren. Die glanzvolle Hofhaltung Karls d. Gr., der am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 800 von Papst Leo III. in Rom zum Herrscher des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde, bot zahlreichen Künstlern Gelegenheit, ihre Talente und ihr Können zu entfalten. Der Kaiser setzte alles daran, machtpolitisch und kulturell durch eine "renovatio" an das weströmische Kaiserreich anzuschließen, als Gegenpol zum byzantinischen Reich; aber auch die Nachfolger des großen Frankenkaisers traten als Kunstmäzene in Erscheinung. Im Karolingerreich herrschte eine rege Bautätigkeit, wobei Steinbauten aber zum Großteil auf Adelssitze und Sakralbauten beschränkt blieben. Zur Zeit der Karolinger wurden über 400 Klöster gebaut und ein großer Teil der bereits unter den Merowingern begonnenen Klosterbauten vollendet. Die Klöster waren nicht nur Bollwerke des Glaubens, sondern auch Wirtschafts- und Kulturzentren.

Der vermutlich um 820 auf der Insel Reichenau gezeichnete Bauplan des Klosters St. Gallen (Stiftsbibliothek, 112 x 77 cm) vermittelt eine genaue Kenntnis von den Klosteranlagen dieser Zeit. Bei dem Plan handelt es sich um den ältesten erhaltenen Bauplan des Frühmittelalter (* St. Galler Klosterplan). Im Allgemeinen wurde die altchristliche * Basilika im Karolingerreich durch die Einbeziehung des Querhauses bereichert (Einhardsbasilika in Steinbach, Odenwald). Besonders augenfällig ist der Rückgriff auf die frühchristliche Bauweise der Basilika, mit dem durchlaufenden "römischen Querhaus" (dem Typus des Vorgängerbaues von St. Peter in Rom folgend), bei der Königsabtei in St. Denis (768-775). Die Form der Anlage ist für die herrscherliche Repräsentation und die karolingische Kirchenreform (nach dem Vorbild der römischen Liturgie) wie geschaffen.

Als weitere Entwicklung erfolgte die Anlage des Chorumganges mit * Kapellenkranz (St. Martin in Tours) und die Ausbildung von * Vierungstürmen. Dem sich entfaltenden * Reliquien-Kult Rechnung tragend, wurde die * Krypta eingeführt. Zu den * Fresken kamen * Stuckarbeiten als Dekoration hinzu. Höhepunkte erreichten neben der Architektur auch die Buchkunst (* Codex Aureus) und die Bildende Kunst mit Goldschmiedearbeiten (Erwähnung finden mit Goldblech beschlagene Kultbilder und Altarkreuze), Bronzegüssen (Türen der Aachener Pfalzkapelle) und Elfenbeinschnitzereien (vgl. * Hofschule Karls d. Gr., * Hofschule Karls d. Kahlen).

Stilistisch fußt die arolingische Kunst auf angelsächsischen Elementen, orientierte sich aber auch an spätantiken und frühchristlichen Vorbildern der westlichen Reichshälfte des ehemaligen römischen Imperiums sowie an der koptischen und byzantinischen Kunst. Aller Wahrscheinlichkeit nach arbeiteten aber auch aus dem byzantinischen Reich stammende Künstler, die durch den * Bilderstreit außer Landes getrieben worden waren, für die Karolinger (vgl. * Palastschulen). Ihrerseits wirkte die Karolingische Kunst u. a. prägend auf die auf sie folgende Romanik, insbesondere die ottonische Kunst.

Karl d. Gr. Werk u. Wirkung, Kat., Aachen 1965; W. BRAUNFELS u. a., Karl d. Gr., Lebenswerk u. Nachleben, 5 Bde., Düsseldorf 1966-68; H. FILLITZ, Die Elfenbeinreliefs zur Zeit Karls d. Gr., in: Aachener Kunstblätter 32, 1966; W. MESSERER, Der Stil in d. karoling. K. Zum Stand d. Forsch., in: Dt. Vierteljahresschr. f. Lit. Wiss. u. Geistesgesch. 41, 1967; W. BRAUNFELS, Die Welt d. Karolinger u. ihre Kunst, München 1968; W. KÖHLER, F. MÜTHERICH, Die Karoling. Miniaturen, Berlin 1971; W. MESSERER, Karoling. K., Köln 1973; F. MÜTHERICH, Karoling. Buchmalerei, München 1976; H. DANNHEIMER, Steinmetzarbeiten der Karolingerzeit. Neufunde aus altbayer. Klöstern 1953-79, Kat., München 1980; C. HEITZ, Gallia Praeromanica: Die Kunst der merowing., karoling. u. frühroman. Epoche in Frankreich, Wien, München 1982.


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