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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Kartusche (französisch cartouche), von griechisch chartes, lateinisch charta, "Papyrusstaude", "Papier",

1) Ornament oder Zierrahmen in Gestalt einer Tafel mit sich einrollenden Ecken und Rändern. Kartuschen haben häufig auch die Form eines Wappenschildes, dessen Enden etwas eingerollt sind (* Rollwerk). Das plane, oft medaillonartige Mittelfeld eignet sich zur Aufnahme von Inschriften (z. B. bei alten Landkarten), * Emblemen, * Initialen oder Kleindarstellungen. Kartuschen waren von der Renaissance bis zum Rokoko und dann wieder im Historismus gebräuchlich, und zwar im Kunsthandwerk ebenso wie in der Architektur (etwa über Portalen als * Supraporte).

2) Die schnurförmige ovale Umrandung der ägyptischen Königsnamen bei den altägyptischen Hieroglyphen.

3) Bezeichnung der im 17. Jh. üblichen, mit der Pulvermenge für einen Schuss gefüllten Hülsen aus festem Papier (italienisch carta), die am * Bandelier getragen wurden. Bei Bedarf konnte man die exakt vorportionierte Pulvermenge in den Lauf des Vorderladers schütten und musste das Pulver nicht, wie früher üblich, bei der Entnahme aus dem Pulverhorn erst messen. Die im Kugelbeutel mitgeführten Geschosse wurden danach mit einem Lappen (Pflaster genannt) umwickelt und mittels des Ladestocks in den Lauf gestoßen.

4) Name der seit 1670 am Bandelier getragenen Behälter für die Kartusche aus Karton. Die von Mannschaften verwendeten Behälter bestehen aus Leder, die Kartuschen höherer Dienstgrade dagegen aus versilbertem Metall mit vergoldeten Beschlägen; sie sind beliebte Sammlerstücke.

5) In Beuteln aufbewahrte abgewogene Menge an Schwarzpulver als Treibladung für Kanonenkugeln. Durch die Anzahl der verwendeten Kartuschen konnte man die Flugweite des Geschosses bestimmen.

Lit. 1): B. HADERGOTT, Die Kartuschen - die Lebensgeschichte einer Form, Diss., Göttingen 1955.


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