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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Kathedra , Cathedra, griechisch-lateinisch, "Sitz", "Bischofsthron", davon abgeleitet die Bezeichnung * Kathedrale.

In der Literatur am häufigsten Erwähnung findet die Kathedra des Bischofs Maximianus von Ravenna, hergestellt vor 556 n. Chr. Der Prunksitz, dessen Rückenlehne 150 cm hoch ist, besteht aus einem Holzkern, der zur Gänze eine Verkleidung aus zahlreichen beschnitzten Elfenbeintafeln aufweist (elf davon fehlen). Die Elfenbeinschnitzereien stellen vor allem Begebenheiten aus dem Leben Jesu und aus dem des * Nährvaters Josef dar.

Die einzelnen Reliefplatten sind von Streifen sehr bewegt gestalteten * vegetabilen Dekors umgeben, in Verbindung mit zahlreichen Tierdarstellungen (Pfauen, Löwen, Hirschen etc.). An der Vorderfront befinden sich fünf ca. 27 cm hohe Tafeln, auf denen die * Evangelisten und * Johannes d. T. stehend dargestellt sind. Darüber sind unmittelbar unter der Sitzfläche die als "Maximianus Episcopus" gedeuteten * Initialen zu sehen, deretwegen der Thron als Besitztum des Bischofs von Ravenna gilt.

Das erlesene Sitzmöbel könnte ein Geschenk Justinians I. anlässlich der 545 stattgefundenen Bischofs-Inthronisation oder der Weihe der Kirche San Vitale im Jahr 547 gewesen sein. Als Herstellungsort findet man in älterer Literatur oft Alexandria bzw. Antiochia angegeben. Heute wird meist eine konstantinopolitanische Werkstatt als Ort der Herkunft angenommen. Aufbewahrt ist diese Kathedra im Museo Arcivescovile in Ravenna. Die zweite bekannte Kathedra ist die so genannte Kathedra Sancti Petri, ein seit dem 12. Jh. in St. Peter in Rom aufbewahrter Thronsitz, ein Geschenk Kaiser Karls d. Kahlen (823-877) an den Papst. Diese Kathedra besteht aus einem mit beschnitzten Elfenbeintafeln verkleideten Kern aus Eichenholz.

Wie bei der Kathedra des Bischofs Maximianus waren auch bei diesem Thron an der Gestaltung der Tafeln mit Sicherheit mehrere Elfenbeinschnitzer beteiligt. Die meisten der in das 3. Viertel 9. Jh. datierten, durchbrochen ausgeführten und mit * Inkrustationen aus Gold sowie Glassteinen verzierten Tafeln scheinen im westfränkischen Raum entstanden zu sein. Der dargestellte Herrscher wurde als Kaiser Karl d. Kahle (823-877), identifiziert (* Palastschulen). Die Tafeln der Vorderseite sind mit Darstellungen der Taten des * Herakles beschnitzt. Vgl. * ex cathedra.

Th. KLAUSER, Die Cathedra im Totenkult der heidnischen und christlichen Antike, Diss. Münster 1927, 2. Aufl. 1971; RUPRECHTS-SCHADEWALDT, Die Ikonogr. der Joseph-Szenen auf der Maximian-Kathedra in Ravenna, Heidelberg 1970; N. GUSSONE, N. STAUBACH, Zu Motivkreis u. Sinngehalt der Cathedra Petri, in: Frühmittelalterl. Studien 9, 1975; H. FILLITZ, Die K. Petri. Zur gegenwärtigen Forschungslage, in: Archivum Historiae Pontificiae II, 1973, S. 353-373; D. GABORIT-CHOPIN, Elfenbeinkunst im MA, Berlin 1978.


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