Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Nutzen Sie die Funktion der VOLLTEXTSUCHE, indem Sie Worte oder Wortteile in das Suchfeld eingeben. Das Kunstlexikon beschreibt ca. 10.000 Begriffe, hat 5,5 Mio Zeichen ( Druckausgabe: 1663 Seiten). Die Begriffe verweisen insgesamt auf ca. 35.000 Quellen.  
 Volltextsuche: nur in der Begriffsliste suchen

Konstruktivismus , von lateinisch constructio, "Zusammenfügung", "Bau".

Obwohl der Versuch, Kunstobjekte mittels mathematisch fundierter Konstruktionen zu erstellen, nicht neu ist (vgl. * Goldener Schnitt), wird der Terminus Konstruktivismus im Allgemeinen nur für moderne Kunst gebraucht, zumeist in Verbindung mit geometrischen Abstraktionen und technoiden Gestaltungsformen. Der Konstruktivismus ist eine Ausdrucksform der abstrakten Kunst, parallel zum * Dadaismus in den 1920er Jahren. Die Anhänger des Konstruktivismus vertraten ein geometrisch-technisches Gestaltungsprinzip mit meist großen Farbflächen und geometrischen Grundformen.

Die Architektur galt dem Konstruktivismus gleichsam als "Mutter aller Künste". Der Name Konstruktivismus soll 1913 erstmals für abstrakte Reliefkonstruktionen Wladimir Tatlins sowie für Werke des russischen Malers Kasimir Malewitsch verwendet worden sein, der im so genannten programmatischen Nullpunkt auf ein weißes Quadrat ein schwarzes "vollkommenes" Viereck malte und umgekehrt (s. * Suprematismus). Die Künstler des Konstruktivismus bezeichneten sich selbst als "Bildner" und lehnten naturalistische "Nachbildungen" kategorisch ab.

Der russische Konstruktivismus weist nach dem Umsturz von 1917 aufgrund der revolutionären politischen Situation oft propagandistische Züge auf. So baute man 1920 in Petrograd nach den Entwürfen Tatlins ein 30 m hohes Holzobjekt als Modell für einen geplanten, aber nie realisierten 400 m hohen Stahlgerüst-Pavillon, der ein Monument der III. Kommunistischen Internationale werden sollte. Es war vorgesehen, die einzelnen Teile wie die beweglichen Sphären eines Planetariums zu konstruieren. In dem 1920 von Tatlin und den Brüdern Pevsner mit staatlicher Unterstützung veröffentlichten Manifest wurden der konstruktive Realismus und die Kinematik als Gestaltungsprinzipien hervorgehoben. Da, wie Lenin meinte, die Kunst nur dann politisch verwertbar sei, wenn sie auch von der Allgemeinheit verstanden und akzeptiert werde, erfolgte in Russland eine Ablöse des Konstruktivismus durch den * Sozialistischen Realismus. Abgesehen von seinem russischen Ursprung, wurde der Konstruktivismus auch von den Künstlervereinigungen * de Stijl, * Bauhaus und von der * konkreten Kunst beeinflusst. Die auf der russischen Ausgangsbasis aufbauende Strömung wird analytischer Konstruktivismus genannt.

Wie Malewitsch malten z. B. auch Josef Albers, Lyonel Feininger und Victor Vasarely streng geometrische Formen. Auch Max Bill, Richard Paul Lohse und Barnett Newman vertraten das konstruktive Prinzip. Oskar Schlemmer wurde für seinen figuralen Konstruktivismus bekannt. Die der englischen Gruppe "Unit one" angehörenden Maler sympathisierten mit dem Konstruktivismus, bevorzugten aber weniger gebundene Formen. Der Konstruktivismus war eine der frühen Strömungen moderner Kunst, mit der sich eine große Anzahl Bildender Künstler auseinandersetzte.

G. HARTLAUB, Rückblick auf den K., in: Das Kunstbl. 7, 1927; H. RICHTER, EL LISSITZKY, Sieg über die Sonne. Zur Kunst des K., Köln 1958; Konstruktive Malerei 1915-30, Kat., Frankfurt/M. 1966; G. RICKEY, Constructivism. Origins and evolution, London 1968; K. Entwicklungen u. Tendenzen seit 1913, Kat., Köln 1972; Der K. und seine Nachfolge, Staatsgalerie Stuttgart 1974; S. BANN, The Tradition of Constructivism, New York 1974; W. ROTZLER, Konstruktive Konzepte. Eine Gesch. der konstruktiven Kunst vom Kubismus bis heute, Zürich 1977; Raumkonzepte. Konstruktivistische Tendenzen in Bühnen- und Bildkunst 1910-1930, Kat. Städt. Galerie im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt/M. 1986; G. CONIO, Le constructivisme russe, Bd. 1., Lausanne 1987; L. LANG, K. und Buchkunst, Leipzig 1990.


<< Konstantinopolitanischer Stil Konsulardiptychon >>


Vertiefen Sie Ihr Wissen über Kunst!
Testen Sie unseren Gratisservice Kunstbegriff des Tages. Auf Wunsch erhalten Sie täglich oder wöchentlich per E-Mail einen Begriff aus dem Kunstlexikon geschickt.
Mehr Informationen »

Das Kunstlexikon für das iPhone!
Sie können das Kunstlexikon auch in einer für das iPhone optimierten Version ansehen. Klicken Sie einfach auf den nachfolgenden Link.
Jetzt öffnen »

Schmuckwissen>>


Aktuelle Objekte:

Florian Wagn... >

Männlicher A... >



Aktuelle Objekte:

Bernhard Martin >

Angelika Kau... >