Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Nutzen Sie die Funktion der VOLLTEXTSUCHE, indem Sie Worte oder Wortteile in das Suchfeld eingeben. Das Kunstlexikon beschreibt ca. 10.000 Begriffe, hat 5,5 Mio Zeichen ( Druckausgabe: 1663 Seiten). Die Begriffe verweisen insgesamt auf ca. 35.000 Quellen.  
 Volltextsuche: nur in der Begriffsliste suchen

Korallen

1) Sammelbezeichnung für winzige, in warmen Meeren in Kolonien lebende polypenartige Blumen- oder Korallentierchen. Sie benötigen als Lebensraum ein über 20° C warmes, sauerstoff- und nährstoffreiches Meerwasser sowie genügend Licht. Bis etwa 40 m Tiefe reicht die einfallende Lichtmenge für ein gesundes Wachstum. Tiefer gelegene Korallenbänke sind meist mit dem Meeresboden abgesunken. Heute sterben durch die Wasserverschmutzung immer mehr Korallenstöcke ab.

2) Bezeichnung für ein strauchförmiges, durch die Ausscheidungen der Korallentierchen gebildetes Kalkgerüst, die Korallenbänke (Korallenstöcke). Begehrt sind vor allem die hellrosa, als "Engelshaut" bezeichneten Korallen und die blutrot gefärbten Edelkorallen (Corallium rubrum); daneben gibt es noch weiße Korallen und die als Carbonetta bezeichneten schwarzen Korallen. Alte rote Korallen haben einen oft ins Orange gehenden Farbton. Sie waren bereits in vorchristlicher Zeit beliebt, wie durchbohrte Korallen-Ästchen in ägyptischen Gräbern erkennen lassen. Korallen, die partiell eine poröse Konsistenz aufweisen, heißen Schaumkorallen. Der griechischen Mythologie nach entstanden die Korallen aus dem bei der Enthauptung der * Gorgo * Medusa durch * Perseus weggespritzten Blut, das versteinerte. Korallen wurden im Altertum deshalb auch "Gorgonide" genannt. Plinius berichtet in seiner "Naturalis historia" von der Verwendung der Korallen gegen vielerlei Leiden und als Abwehr gegen den "Bösen Blick". Seit dem Mittelalter erfreuten sich Korallen in den meisten europäischen Ländern und in Indien großer Beliebtheit. Man schrieb ihnen geheimnisvolle Kräfte zu und verwendete sie als * Amulette und * Talismane zum Schutz vor Verletzungen, zur Linderung bei Menstruationsbeschwerden, zur Erleichterung des Zahnens von Kindern und gegen die Krätze (* Krätzenstein).

Außer den gewachsenen zweigartigen Exemplaren haben Korallen-Anhänger oft die Form einer Faust mit zwischen Zeige- und Mittelfinger gestecktem Daumen. Es handelt sich dabei um die Vergegenständlichung einer Geste, die * Fica, Feige oder Neidfeige genannt wird. Das alte Symbol gilt zum Teil heute noch in den Mittelmeerländern als Abwehrmittel gegen den "Bösen Blick", als Sexualsinnbild sowie als grobe Beleidigung. Die rote Farbe und mineralharte Konsistenz der zweigförmigen Tierstöcke regten zu allen Zeiten die Phantasie an.

In der Bildenden Kunst wurden seit der Renaissance häufig Ästchen der roten Edelkoralle verwendet, u. a. bei den so genannten * Natternzungenkredenzen und in Verbindung mit (Efenbein-)Statuetten, um etwa bei der Nymphe * Daphne Lorbeerzweige und beim * heiligen Sebastian den Baum darzustellen, an den man den Märtyrer gefesselt hatte. Beliebt waren kleine Korallen-Ästchen auch für die Gestaltung des Geweihs von Hirschfiguren aus * feuervergoldetem Silber. Solche Tierfiguren sind häufig als Trinkgefäße gestaltet, bei denen der Kopf als Deckel dient. Sie entstanden meist im 16./17. Jh. und stammen oft aus Nürnberg. Für figürlich geschnittene Korallen ist die sizilianische Hafenstadt Trapani bekannt.

3) Früher Bezeichnung für jede Art von Perlen, die nicht von Muscheln stammten, da die echten Korallen meist rund geformt wurden und als Perlenschnüre in den Handel kamen (Koralle). Diese Bezeichnung wurde verwendet, gleichgültig, aus welchem Material die Perlen gefertigt waren (vor allem Glas, aber auch Bernstein, Jet, Holz, Bein, Schmucksteine etc.). Auch die alten Ausdrücke "Korallenfabrik" oder "Korallenmosaik" beziehen sich auf diese Bedeutung von Korallen. Ein Zentrum der Glasperlenherstellung war die in Braunschweig etablierte Korallenfabrik des Niederländers Johann Michael van Selow. Er soll die so genannten Korallenmosaike erfunden haben, bei denen Glasperlen in verschiedenen Mustern in eine sich erhärtende Masse gedrückt werden. Korallenmosaike sind u. a. bei Dosen und Tabletts zu finden.

Lit. 2): R. H. FRANCE, Korallenwelt, Stuttgart 1930; F. PAX, Edel-Korallen, in: Dt. Goldschmiedezeitung 6, 1957; A. DANEU, L'arte trapanese del corallo, Palermo 1964; G. TECIONE, Il corallo nella storia e nell'arte, Neapel 1965. Lit. 3): E. v. PHILIPPOVICH, Kuriositäten, Antiquitäten, Braunschweig 1966, S. 517.


<< Koptische Kunst Korallenfabrik >>


Vertiefen Sie Ihr Wissen über Kunst!
Testen Sie unseren Gratisservice Kunstbegriff des Tages. Auf Wunsch erhalten Sie täglich oder wöchentlich per E-Mail einen Begriff aus dem Kunstlexikon geschickt.
Mehr Informationen »

Das Kunstlexikon für das iPhone!
Sie können das Kunstlexikon auch in einer für das iPhone optimierten Version ansehen. Klicken Sie einfach auf den nachfolgenden Link.
Jetzt öffnen »

Schmuckwissen>>


Aktuelle Objekte:

Allee II 1919 >

Angelika Kau... >



Aktuelle Objekte:

Litho sig. R... >

Granatbrosch... >