Antiqua , lat. littera antiqua, "alte Schrift".
Sie entstand in der italienischen Renaissance um 1460, als Gegensatz zur spätmittelalterlichen gotischen "littera moderna", und wird im Buchdruck auf die in Venedig tätigen Drucker Johann u. Wendelin v. Speyer (1469) und den gleichfalls in Venedig etablierten Franzosen N. Jenson (1470) zurückgeführt. In Deutschland druckte erstmals A. Rusch in Straßburg (1774) mit der Antiqua. Die Antiqua hat feine Anstriche, runde Verbindungsstriche, gerade Schäfte und isolierte Lettern, wobei als Vorbild für die Kleinbuchstaben die karolingische * Minuskelschrift und für die Großbuchstaben die auf antiken Inschriften gebräuchliche römische Kapitalis dienten. Die anfänglich sichtbare Ableitung von der Schreibschrift ging erst nach und nach verloren. U. a. waren L. da Vinci und A. Dürer an der zeichnerischen Durchformung der Antiqua beteiligt. In Süd- und Westeuropa wurde die Antiqua wesentlich rascher angenommen als in Mittel-, Ost- und Nordeuropa, wo gotische Schriftformen, wenn auch in abgewandelter Form (* Fraktur), bis ins 19. Jh., ja zum Teil bis ins 20. Jh. in Gebrauch waren.
H. DEGERING, Die Schrift. Atlas der Schriftformen des Abendlandes vom Altertum bis zum Ausgang des 18. Jh., Berlin 1929; F. FUNKE, Kleine Gesch. der A., Leipzig 1959; J. HÜNNECKE, A. oder die Krise des Erworbenen. Beiträge zur Symbolik der Druckschriften 2, Berlin 1980; S. MORISON, Selected essays on the history of letterforms in manuscript and print, 2 Bde., Cambridge 1981.
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