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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Kreuzigung Christi , seit der Romanik ein zentrales Thema der christlichen Kunst. Vorher scheute man sich, * Jesus in Verbindung mit dieser als schimpflich geltenden Todesart wiederzugeben. Als älteste bekannte Wiedergabe der Kreuzigung wird eine um 420 datierte Darstellung auf einem oberitalienischen Elfenbeinkästchen (British Museum, London) angesehen.

Die Kreuzigung war eine von den Römern wahrscheinlich aus Persien übernommene Hinrichtungsart, die zunächst nur bei Kriegsgefangenen angewendet wurde, später auch bei Römern, die man als Landesverräter, Deserteure oder Christen verurteilte. Da Judäa von den Römern besetzt war, wurde Jesus nach der Gefangennahme zu * Pilatus gebracht, dem Präfekten der römischen Provinz, damit dieser das Urteil spreche. Pilatus wollte Jesus freilassen (* Ecce homo), lieferte ihn aber schließlich den Kriegsknechten zur Kreuzigung aus (* Golgatha).

Zur Hinrichtung dienten im Allgemeinen T-förmige Kreuze, so genannte * Antoniuskreuze. Die Arme der Deliquenten wurden am Querbalken und die Beine am Hauptbalken angebunden. Die Römer brachen den Gekreuzigten in der Regel auch die Unterschenkel. Die Kreuzigung führte zu einem langsamen qualvollen Tod durch Herz- und Kreislaufversagen. Wie es im Neuen Testament und in * apokryphen Schriften (Nikodemus- und Petrusevangelium) heißt, wurde Christus mit Nägeln an das Kreuz geschlagen (vgl. * Kruzifix). Es wird von einem Kreuz gesprochen, mit einem im oberen Drittel des Kreuzstammes befindlichen Querbalken (* Lateinisches Kreuz). Ob eine Fußstütze (* Suppedaneum) angebracht war, ist nicht bekannt.

Bis zum Ende der Romanik wird Jesus in Form des * Viernageltypus am Kreuz wiedergegeben. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Zumeist ist zur Abstützung der Füße ein als Fußstütze dienendes Querbrett ausgebildet (* Suppedaneum). Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen nicht mehr nebeneinander, sondern in der Regel übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus". Außerdem findet man bei Arbeiten aus der Gotik fast immer die Seitenwunde Christi wiedergegeben, im Gegensatz zu früheren Darstellungen.

Bis zur Romanik wurde Jesus jung und bartlos, in der Art antiker Helden und Götter gestaltet, in der Romanik mit Bart, * statuarisch würdevoll, oft als Christkönig mit einer Königskrone auf dem Haupt. Der leidende Ausdruck wird erst ab der Gotik üblich. Die * Dornenkrone ist bei frühgotischen Werken in der Regel haubenartig geschlossen, später dagegen kranzförmig ausgeführt. Anders als früher wird Jesus in der Gotik am Kreuz oft schon tot wiedergegeben (* Cristo morto). Die Verurteilten wurden für gewöhnlich nackt gekreuzigt und ihre Kleidung unter den Schergen aufgeteilt.

Im Zusammenhang mit der Kreuzigung heißt es, dass die Soldaten um sein Manteltuch würfelten, weil es aus einem Stück gewebt war. Außerbiblische Quellen berichten, dass Maria die Blöße des Gottessohnes mit ihrem Kopftuch bedeckt habe. Während das Lendentuch (griechisch * Perizoma) bei romanischen * Kruzifixen nur Längsfalten aufweist, ist es in der Gotik gerafft und mit Querfalten versehen. Im Barock entwickelte die Gestaltung des Lendentuchs eine Eigendynamik mit gebauschten, flatternden, manchmal auch gedrehten Enden. Entgegen der Überlieferung wurde Jesus in der * byzantinischen Kunst häufig in langer Gewandung dargestellt (* Volto Santo).

Das qualvolle Sterben Christi soll von der sechsten bis zur neunten Stunde, das ist von zwölf bis fünfzehn Uhr, gedauert haben, als sich die Sonne verfinsterte und der * Heiland sein Leben aushauchte. Unter dem Kreuz standen der Überlieferung nach Maria, die Mutter Christi, und der Jünger * Johannes. Vor den insgesamt drei Kreuzen auf * Golgatha hielten ein römischer Hauptmann, dessen Namen mit * Longinus angegeben wird, mit einigen Soldaten Wache. Einer von ihnen - er hieß der Tradition nach Stephaton - soll Jesus einen an einem Rohr befestigten und in Essig getränkten Schwamm gereicht haben, als diesen dürstete. In einiger Entfernung befanden sich * Maria Magdalena und die anderen Frauen, die Jesus nach Jerusalem gefolgt waren. Die Apokryphen berichten, dass bei dem Beben, das nach dem Tod Christi die Erde erschütterte, der Schädel Adams zutage getreten und vom Blut Christi benetzt worden sei. Bei plastischen Gestaltungen findet man deshalb oft einen aus Elfenbein geschnitzten Schädel am Fuße des Kreuzstammes liegen.

Rechts und links vom Kreuz Christi standen die T- oder Y-förmigen Kreuze der beiden * Schächer, die mit dem Gottessohn gemeinsam hingerichtet wurden. Der Name des zur Rechten Christi gekreuzigten reuigen so genannten "guten Schächers" wird mit * Dismas angegeben. Der links von Christi gekreuzigte "böse Schächer" soll * Gestas geheißen haben.

H. PAULUS, Zur Ikonographie des Gekreuzigten im Mittelalter, Diss. Erlangen 1948; S. v. TWICKEL, Die Darstellung des Kruzifixus in anatomischer Betrachtung, Diss. München 1951; R. HAUSHERR, Der tote Christus am Kreuz. Zur Ikonographie des Gekreuzigten, Diss. Bonn 1963; U. ULBERT-SCHEDE, Das Andachtsbild des Kreuztragenden in der dt. Kunst von den Anfängen bis zum Beginn des 16. Jh., München 1968; A. RAINER, Christusköpfe und Kruzifixationen, Graz 1980; E. HÜRKEY, Das Bild des Gekreuzigten im MA, Worms 1983; H. MEURER, Christus im Leiden. Kruzifixe, Passionsdarstellungen aus 800 Jahren, Kat., Stuttgart 1986; Ch. BEUTLER, Der Gott am Kreuz. Zur Entstehung der Kreuzigungsdarstellung, Hamburg 1986; P. KRUTISCH, Niederrhein. Kruzifixe der Spätgotik. Die plast. Kruzifixe und Kreuzigungsgruppen des späten 15. und frühen 16. Jh. im Herzogtum Kleve, Diss. Bonn 1986; B. SCHLICHTENMAIER, Die Passionsikonographie in der bild. Kunst des 19. und frühen 20. Jh., Diss. Tübingen 1986.


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