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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Kronos , in der griechischen Mythologie jüngster Sohn des * Uranos und der * Gäa. Durch die Namensähnlichkeit wurde Kronos mit * Chronos, der mythischen und allegorischen Gestalt der Zeit (griechisch chronos) oft vermengt.

Als "Reifer", "Vollender" und "Vater der Zeit" wurde der auch als Erntegott verehrte Kronos zunächst meist mit einer Sichel dargestellt, die aber auch darauf verweist, wie Kronos die Herrschaft erlangt hatte. Kronos war der Letztgeborene der von Uranos mit Gäa gezeugten sechs männlichen und sechs weiblichen * Titanen. Zu deren Nachkommen zählten auch die * Kyklopen, die von Uranos in den Tartarus verbannt worden waren. Zur Befreiung der Kyklopen wurde Kronos von Gäa angestiftet, seinen Vater zu stürzen. Er erhielt zu dem Zweck von seiner Mutter ein Sichelmesser, mit dem er Uranos entmannte. Dann schwang sich Kronos zum Weltherrscher und Oberhaupt der zweiten Göttergeneration auf. Seine Schwestergemahlin * Rhea gebar ihm mehrere Kinder (* Demeter, * Hestia und * Hera sowie * Hades, * Poseidon und * Zeus).

Da Kronos aus Furcht vor späteren Rivalen seine Nachkommen gleich nach der Geburt verschlang, reichte ihm * Rhea statt des letztgeborenen Zeus einen in Tücher gewickelten Stein. Kronos erkannte den Betrug erst, als sich der Knabe schon bei * Amaltheia in Sicherheit befand. Als * Zeus erwachsen war, wurde er auf Betreiben seiner Mutter der Mundschenk seines Vaters. Er versetzte einen für Kronos bestimmten Trunk mit Meersalz, und Kronos erbrach alle vorher verschluckten Kinder. Mit Hilfe seiner Brüder * Poseidon und * Hades sowie unterstützt von den Kyklopen, gelang es Zeus, seinen Vater Kronos zu entmachten und Oberhaupt der dritten Göttergeneration zu werden. Der Kampf wird Titanomachie genannt.

Im Mittelalter wurde Kronos oft mit dem römischen Planetengott * Saturn gleichgesetzt, als Herrscher über den Saturn, der als Ort der Trockenheit, Kälte und Finsternis angesehen wurde. Als Beifiguren dienten die Saturnkinder, d. h. die von der Gesellschaft Ausgestoßenen, z. B. Bettler, Krüppel, Aussätzige, Gefangene usw. Seit dem Barock wird Kronos meist geflügelt dargestellt, wegen seiner Gleichsetzung mit Chronos, gewöhnlich mit einem * Stundenglas, bezugnehmend auf die rasch verfliegende bzw. verrinnende Zeit. Später wurde die Sichel oft durch eine Sense (Attribut des Todes) ersetzt, als Hinweis auf das nahende Ende.

U. v. WILAMOWITZ-MÖLLENDORFF, Kronos und die Titanen, Berlin 1929; E. PANOFSKY, Old Father Time, in: Studies in Iconology, New York 1939; R. von RANKE-GRAVES, Griechische Mythologie, Reinbek bei Hamburg 1984.


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