Kunstgedrechselt . Objekte, die als kunstgedrechselt bezeichnet werden, stammen meist aus dem Barock. Es handelt sich dabei um Gegenstände, die der so genannten Maschinenkunst zugerechnet werden, d. h. die auf einer Drehbank kunstvoll als Schaustücke gestaltet wurden.
Die Drechselkunst zählt zu den heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Fertigkeiten. Als Werkstoff für kunstgedrechselte Objekte diente vorwiegend Elfenbein. Zum Unterschied von einfachen Drechselarbeiten, die schon im Altertum gebräuchlich waren, wurden kompliziert geformte kunstgedrechselte Objekte erst in der Renaissance und vor allem im Barock hergestellt. Als * Kunst oder "künstlich" bezeichnete man früher Tätigkeiten, die große Fähigkeiten oder erworbene Fertigkeiten voraussetzen, sowie die aufgrund dieses Könnens hergestellten Objekte.
Im Gegensatz zum Drehen ist beim Drechseln der Schneidstahl nicht in der Drehbank fixiert, sondern er wird von Hand aus an das in der Drehbank um seine Achse rotierende Werkstück herangeführt. Die verschieden geformten Schneidstähle und die Veränderung des Winkels, unter dem mit dem Schneidstahl die Bearbeiteung erfolgt, beeinflussen die Formgebung. Zu den Kunstdrechselarbeiten zählen z. B. die auf einem * Passigdrehwerk hergestellten Schaustücke und die so genannten * Wunderkugeln bzw. chinesischen Bälle. Auch die * kunstgedrehten Reliefs, etwa kunstgedrehte Porträts, Schriftzüge etc., werden meist als "kunstgedrechselt" bezeichnet, obwohl der Schneidstahl dabei im Allgemeinen nicht von Hand aus geführt wird, sondern in der * Konterfeidrehbank fixiert war.
E. v. PHILIPPOVICH, Elfenbein, 2. Aufl., München 1982; J. M. TEUBER, Vollständiger Unterricht von der gemeinen u. höheren Dreh-Kunst, Regensburg, Wien 1756, Reprint d. 2. Aufl., Verlag Th. Schäfer GmbH, Hannover 1983; K. MAURICE, Der drechselnde Souverän, Zürich 1985.
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