Kunstgedrehte Reliefs . Bezeichnung für Porträts, Schriftsätze etc., die mittels eines bereits in Vergessenheit geratenen Verfahrens auf der früher meist als "Contrefait-Werk" bezeichneten * Konterfeidrehbank hergestellt wurden.
Als Material diente wegen seiner Dichte vorwiegend Elfenbein. Zuerst musste die gewünschte Darstellung in einer * Patrone als vertieftes Relief eingestochen und die Patrone sodann in die Drehbank eingesetzt werden. Mit dem "Anlauf" wurde das in der * Patrone eingetiefte Motiv (* Bildnis, Schriftsatz, * Passionswerkzeuge etc.) abgetastet und mit dem Schneidstahl in spanabhebender Tätigkeit als erhöhtes Relief auf dem in der Drehbank um seine Achse rotierend eingespannten Werkstück wiedergegeben. Diese speziell entwickelten Drehbänke waren selten, und nur wenige verstanden sich auf deren komplizierte Bedienung. Viele Herrscher beschäftigten "Drechselkünstler" und ließen sich von diesen in die Maschinenkunst einführen.
Das * Drehen und Drechseln von Elfenbein galt als hohe Kunst und als fürstliches Pläsier. Bekannt ist, dass z. B. Zar Peter d. Gr. ein Contrefait-Werk besaß. Es wird zusammen mit kunstgedrehten Apostelbildnissen, die zu den Arbeiten des Zaren gezählt werden, in der Eremitage in St. Petersburg aufbewahrt. Kunstgedrehte Reliefs sind unvergleichlich seltener als geschnitzte. Die Konturen der Darstellungen wirken bei den auf der Drehbank gestalteten Reliefs leicht verwischt, d. h. nicht so exakt abgegrenzt wie bei geschnitzten Exemplaren. Bei genauem Hinsehen sind auf kunstgedrehten Reliefs die vom Schneidstahl stammenden feinen konzentrisch verlaufenden Riefen sichtbar, die im Aussehen an die Rillen einer Schallplatte erinnern.
Mit Bezug auf die heute äußerst seltenen Reliefs schreibt J. M. Teuber in seinem 1756 erschienenen Buch über die Dreh-Kunst: "Capitel XV. Von einem Contrefait-Werck / wie solches zu machen / und einzurichten / und was darauf zu præstiren. Ein Contrefait-Werck hat davon den Nahmen, weil man jedes Menschen Portrait darauf drehen kan, dass es ihm recht ehnlich sihet, und dieses zwar groß und klein, als von der Grösse eines Thalers, auch noch kleiner, item 3. 4. und mehr Zoll groß...".
E. v. PHILIPPOVICH, Elfenbein, 2. Aufl., München 1982; J. M. TEUBER, Vollständiger Unterricht von der gemeinen u. höheren Dreh-Kunst, Regensburg, Wien 1756, Reprint d. 2. Aufl., Verlag Th. Schäfer GmbH, Hannover 1983; K. MAURICE, Der drechselnde Souverän, Zürich 1985.
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