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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Lettner , von lateinisch lectionarium, "Lesepult".

Im 12./13. Jh. wurden in Ordens- und Bischofskirchen die niedrigen * Altarschranken zwischen dem der Geistlichkeit vorbehaltenen Chorraum und dem * Hauptschiff durch eine übermannshohe Trennwand (* Chorschranken) ersetzt, auf der ein Lesepult stand, der so genannte Lettner. Von diesem Pult aus verlas der Priester das Evangelium. Der Name Lettner wurde später auch auf diese Trennwand übertragen, über der sich gewöhnlich ein * Kruzifix befand (* Triumphkreuz). Da die Wand den Gläubigen die Sicht zum * Hauptaltar nahm, errichtete man davor meist den so genannten * Laienaltar, der wegen des über dem Lettner befindlichen Kruzifixes auch Kreuzaltar genannt wurde. Der Lettner war für gewöhnlich gemauert und mit einem oder mehreren Durchgängen versehen (oft ein Durchgang auf der * Epistel- und einer auf der * Evangelienseite).

In der Spätgotik war der Lettner manchmal bühnenartig erweitert und bot so Platz für Sänger (und eine kleine Orgel) sowie für Proklamationen (z. B. bei der Bischofswahl). Solche als Sängerbühne dienende Lettner nannte man auch * Doxale. Später wurde der Lettner nicht mehr als Trennwand errichtet, sondern in Form von * Arkaden oder als einziger weitgespannter Bogen konzipiert, z. B. in Paris (St. Étienne du Mont). Wie die Ambonen verfügten auch die Lettner über eine eigene Aufstiegs- und eine dazu symmetrisch angeordnete Abstiegstreppe. Auf- und Abstieg waren in Ost-West-Richtung angelegt, damit der Weg des Priesters dem Lauf der Sonne folgte. Anders als beim Ambo waren beim Lettner auch gewendelte Treppen üblich. Sie befanden sich stets an der Chor-Seite, wodurch der Auf- und Abstieg des Priesters vom Kirchenschiff aus nicht zu sehen war. Besonders bekannt sind der Lettner in der ehemaligen Abteikirche in Vezzolano/Oberitalien, der mit 1189 datiert ist und als ältester erhaltener Lettner gilt, sowie der Lettner im Dom von Naumburg (13. Jh.). In der Spätgotik hieß der Lettner Doxale, man sprach auch von so genannten Lettnerkanzeln. Vgl. * Ambo.

W. GREISCHEL, Die niedersächsisch-thüringischen Lettner des 13. Jh., Diss. Freiburg 1914, Magdeburg 1917; J. STORCK, Die Entwicklungsgeschichte der Lettneranlage in Deutschland bis ins 14. Jh., Diss. München 1924; E. KIRCHNER-DOBERER, Die deutschen Lettner bis 1300, Diss. Wien 1946; E. DOBERER, Der L. Seine Gesch. und Bedeutung, in: Mitt. der Ges. für vergleichende Kunstforschung in Wien 9, 1956; K. BRACHER, L. in steir. Pfarrkirchen, in: FS für F. Popelka, Graz 1960; E. DOBERER, Roman. Bildfriese u. ihre ehemaligen Bildträger, in: Kunst als Bedeutungsträger, Gedenkschr. f. G. Bandmann, Berlin 1978; K. IMESCH-OEHRY, Die Kirchen der Franziskanerobservanten in der Lombardei, im Piemont und im Tessin und ihre L.wände, Architektur und Dekoration, Essen 1991.


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