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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Lithographie , von griechisch lithos, "Stein", und graphein, "zeichnen",

Bezeichnung für den Steindruck, der anfänglich "Polyautographie" genannt wurde; der Ausdruck Lithografie ist erst seit 1805 gebräuchlich. Die Platten für dieses erste * Flachdruckverfahren bestanden zunächst aus geschliffenem und entsäuertem * Solnhofer Stein (Kalkschiefer). Die Darstellungen werden bei der Lithographie auf der Druckform durch Zeichnen mit Fettstift (Kreidelithographie) oder lithographischer Tusche, bestehend aus Fett, Wachs, Ruß etc. (Federlithographie), aufgetragen und die Platte dann mit mineralsaurer * Gummiarabikumlösung behandelt. Bei den so geätzten Flächen wird die Fähigkeit verstärkt, Wasser aufzusaugen.

Die gezeichneten Stellen verbinden sich mit dem kohlensauren Kalk des Steines zu fettsaurem Kalk, der farbspeichernd wirkt, d. h. Druckfarbe annimmt, die beim Druckvorgang auf das Papier übertragen wird. Die angefeuchteten zeichnungsfreien Flächen nehmen keine Druckfarbe an. Die Entdeckung, dass die Druckfarbe nur von jenen Stellen angenommen und beim Druck übertragen wird, an denen mit einem fettigen Aggregat gezeichnet worden ist, machte A. Senefelder (1771-1834) in München bei seinen Experimenten, Notenblätter zu vervielfältigen (1797/98). Einen ersten Versuch, die Technik auch bei künstlerischen Arbeiten einzusetzen, erfolgte 1808 durch J. Strixner bei der Reproduktion der von A. * Dürer gestalteten Randleisten des Gebetbuches Kaiser Maximilians I. 1827 setzte A. Déveria die Lithographie erstmals für den Plakatdruck ein. Damit die Darstellungen nach dem Druck nicht seitenverkehrt sind, kann ein speziell behandeltes Umdruckpapier eingeschaltet werden, auf dem der Künstler zeichnet und das auf den Stein geklebt wird. Die Zeichnung bleibt nach Entfernen des Papiers seitenverkehrt auf dem Lithographenstein zurück. Beim Druck erscheint die Darstellung dann in gewünschter Ausführung.

1816 präparierte Senefelder erstmals anstatt der Steine leichtere und dadurch handlichere Zinkplatten. Der so hergestellte Abdruck heißt * Zinkographie. Später wurden Aluminiumplatten verwendet (* Algraphie). Farblithographien erfordern für jede Farbe einen Stein oder eine Platte, mit denen die Farben hintereinander auf das Blatt gedruckt werden. Eine Weiterentwicklung der Lithografie ist der so genannte Offsetdruck, wobei Schrift oder Bild von der Druckform (einer Folie oder Metallplatte) auf einen mit einem Gummituch bespannten Zylinder und von diesem auf das Papier übertragen werden. Die ersten Offset-Druckmaschinen tauchten bald nach 1900 auf. Vgl. * Senefelder.

A. SENEFELDER, Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey, Wien, München 1818, Nachdr. Berlin 1925, München 1971; P. HOFFMANN, W. REUTER, Ein Beitr. zur Gesch. d. L., Berlin 1924; R. WITTE, Praktikum d. Stein- u. Zinkdrucks, Leipzig 1926; O. W. KRÜGER, Die lithograph. Verfahren u. der Offsetdruck, Leipzig 1949; Die Kunst der L., Kat., Halle 1960; P. HALM (Hg.), Bild vom Stein. Die Entwicklung der L. von Senefelder bis heute, Kat., München 1961; G. WOODS, The Craft of Etching and L., London 1965; R. LOCHE, Die L., Genf 1971; W. DOHMEN, Die L. Gesch., Kunst, Technik, Köln 1982; G. M. LECHNER, Inkunabeln der L., Kat., Stift Göttweig 1982; Ch. v. HELMOLT, Wo Kalkschiefer zum Edelstein wird. Erfindung und Entwicklung der künstler. L., in: Kunst und Antiquitäten 1, 1983; W. KOSCHATZKY, K. SOTRIFFER, Die Kunst vom Stein. Künstlerl. von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Wien, München 1985; H. WALTER-DRESSLER, Farbl. des Karlsruher Künstlerbundes um 1900. Eine Initiative gegen den Öldruck, Kat., Karlsruhe 1987; M. HENKER u. a., Von Senefelder zu Daumier. Die Anf. der lithograph. Kunst, Kat., München 1988; H. SCHWARZ, Die Anf. der L. in Österr. (bearb. Diss. v. E. Hermann-Fichtenau, 1921), Wien, Köln, Graz 1988; M. STUFFMANN, Franz. L. des 19. Jh., Frankfurt/M. 1989.


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