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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Louis-seize , Stil und französische Kunstrichtung von ca. 1760-1790.

Er bildet den Übergang zwischen Rokoko und Klassizismus. Benannt ist der Louis-seize nach König Ludwig XVI. (1774-1792). Im Allgemeinen wird der Louis-seize in zwei Abschnitte eingeteilt, wobei der erste von den 1760er Jahren bis etwa 1774 und der zweite bis 1790 währte. Im Louis-seize entstanden neben Kirchen sowie den Schlössern und Palästen der Adeligen in der Architektur auch bemerkenswerte Kommunalbauten, wie Rathäuser, Gerichtsgebäude, Krankenhäuser etc.

Großen Einfluss auf die Architektur nahm J.-A. Gabriel (1698-1782), der schon "Erster königlicher Architekt" Ludwigs XV. war und der in Paris ab 1755 die Place de la Concorde (früher Place Louis XV.) mit den den Platz umgebenden Gebäuden schuf. Als Hauptwerk für seinen heiter-eleganten, vom * Palladianismus beeinflussten Stil gilt das Petit Trianon (1762-66) in Versailles. Bis etwa 1774 weisen die Einrichtungen noch nicht die raffinierte Eleganz auf, die für den zweiten, u. a. durch * Marie Antoinette beeinflussten Abschnitt des Louis-seize kennzeichnend ist.

Entscheidend beigetragen zur Gestaltung der Zierate im Louis-seize haben die in 30 Folgen erschienenen Ornamentstiche Henri * Salembiers und die Luxusmöbel Jean-Henri * Rieseners. Die * Rocaille und andere damit verbundene abstrakte Gestaltungen wurden durch naturalistische Formen wie Blumenkörbe, Weidenzweige, schnäbelnde Vögel, * Fruchtstäbe, * Fruchtgehänge, * Girlanden und * Festons sowie durch Bänder, klassizistische Ornamente (* Mäander, * Bildnismedaillons, * Trophäen, Musikinstrumente etc.) sowie Attribute der Künste und Wissenschaften ersetzt. Die Vorliebe für den naturalistischen Dekor soll auf Marie Antoinette zurückgehen.

Charakteristisch für den Louis-seize ist ferner, dass die Beine der Möbel nicht mehr geschwungen sind, wie bei den letzten Stilepochen, sondern gerade, mit rundem Querschnitt. Beliebte Möbel des Louis-seize waren die * Voyeuse und die schon ca. 1740 aufgekommene * Bergère. Als zeitgenössische Eigenentwicklung gilt der so genannte * Louis-seize-Stuhl. Die Übergangsphase, von 1755-1760, zwischen dem * Louis-quinze, dem französischen Rokoko und den klassizistischen Formen, wird häufig als Transition, "Übergang", und der Louis-seize als "vorrevolutionärer Klassizismus" bezeichnet. Er wurde 1795 vom * Directoire (1795-1799) abgelöst, für das noch einfachere und geradlinigere Gestaltungsformen charakteristisch sind, und in weiterer Folge schließlich vom * Consulat.

Den in Deutschland dem Louis-seize entsprechenden Kunststil nennt man * Zopfstil; in Österreich spricht man von * Josephinismus; in England und in den USA von Adam Style, nach Robert * Adam.

H. MARTIN, Le style Louis XVI, Paris 1926; F. KIMBALL, Les influences anglaises dans la formation du style Louis XVI, in: Gazette des Beaux Arts 1931; Ph. SIGURET, Le Style Louis XVI, Paris 1965; S. ERIKSEN, Early neo-classicism in France, London 1974.


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