Martin
1) oft als Martin von Tours bezeichneter Heiliger. Er wurde 316/17 als Sohn eines römischen Hauptmanns im pannonischen Sabaria (Szombathely, Steinamanger/Ungarn) geboren. Nach der Erziehung in Pavia (Italien) trat der sechzehnjährige Martin auf Wunsch seines Vaters in das römische Heer ein und gelangte nach Gallien (Frankreich). Zwei Jahre später traf er der Legende nach an einem kalten Wintertag vor den Toren der Stadt Amiens auf einen fast nackten Bettler. Ohne zu zögern, stieg Martin von seinem Pferd, teilte seinen umhangförmigen Soldatenmantel mit dem Schwert und gab die Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht erschien ihm Jesus mit dem Mantelstück bekleidet im Traum. Das Thema "Martin und der Bettler" ist ein seit dem 10. Jh. in der Malerei nachweisbares Motiv (vgl. das Sakramentar von Fulda), das seit dem 13. Jh. auch als plastische Gruppe wiedergegeben wurde. Der Mantel des Heiligen (Mantelreliquie) gelangte in den Besitz der französischen Krone (* Kapelle). Nach der Begegnung mit dem Bettler und der Vision im Traum reichte Martin seinen Abschied beim Militär ein, wurde vom Bischof von Poitiers getauft und lebte als Einsiedler auf der Insel Gallinaria bei Genua. Später kehrte er nach Frankreich zurück, gründete in Tours das Kloster Marmoutier und wurde 371 zum Bischof geweiht. Angeblich soll er sich, um der Wahl zum Bischof zu entgehen, aus Bescheidenheit versteckt haben, durch das Geschnatter von Gänsen aber verraten worden sein. Seit Ende 15. Jh. wird Martin deshalb, vor allem in Bayern und Österreich, oft mit einer Gans dargestellt. Mit der Ausweitung des fränkischen Gebiets verbreitete sich auch der Bekanntheitsgrad des Heiligen. Sein Fest wird am 11. November vielerorts mit dem "Martinsritt" und dem Verzehr der "Martinigans" gefeiert.
2) Name einer im 18. Jh. in Paris ansässigen Lackmaler- und Vergolderfamilie (* Vernis Martin.).
St. M. dans l'art et l'imagerie, Kat., Paris 1961; E. EWIG, Der Martin-Kult im Frühmittelalter, in: Archiv für mittelrhein. Kirchengesch. 14, 1962; L. KÜPPERS, M., Recklinghausen 1967; J. DANAI, Die Darstellung des Kranken auf den spätgot. Bildnissen des Hl. M., Diss. Aachen 1987; B. KLAUS, St. M., Ritter Christi ... in Gesch. und Legenden, in: Zeitschr. für bayer. Kirchengesch. 56, 1987.
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