Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Nutzen Sie die Funktion der VOLLTEXTSUCHE, indem Sie Worte oder Wortteile in das Suchfeld eingeben. Das Kunstlexikon beschreibt ca. 10.000 Begriffe, hat 5,5 Mio Zeichen ( Druckausgabe: 1663 Seiten). Die Begriffe verweisen insgesamt auf ca. 35.000 Quellen.  
 Volltextsuche: nur in der Begriffsliste suchen

Meissener Porzellan , Bezeichnung für Objekte aus der ältesten * Porzellanmanufaktur Europas.

Bei alchimistischen Experimenten, die J. F. * Böttger und E. W. Graf von * Tschirnhausen im Auftrag August d. Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, in Dresden durchführten, wurde 1707 das so genannte rote * Böttgersteinzeug und 1709, nach dem Tod des Grafen Tschirnhausen, das europäische * Porzellan erfunden. Die erste Porzellanmanufaktur wurde von dem Kurfürsten am 6. 6. 1710 auf der Albrechtsburg zu Meissen gegründet und Böttger mit deren Leitung betraut.

Das erste Meissener Porzellan hatte einen leicht gelblichen Farbton, und die * Glasur war leicht grünlich und blasig. Ganz weißes Porzellan herzustellen gelang erst zwischen 1717 und 1719. Die ersten Entwürfe für Gefäße stammten von dem Dresdener Hofsilberschmied J. J. Irminger (1635-1724). Nach dem Tod Böttgers übernahm der Porzellanmaler Johann Gregor Höroldt die Leitung der Manufaktur (1719-1731). Seit 1720 finden * Muffelfarben Verwendung, die erst nach dem Garbrand aufgebracht werden. Besonders beliebt war der so genannte "Purpurlüster". Unter Höroldt entstanden so bekannte Motiventwürfe wie das Rote-Drachen-Muster und das * Zwiebelmuster.

In Europa soll die ersten Versuche, aus Porzellan auch Figuren zu modellieren, J. G. Kirchner, seit 1731 in Meißen tätig, gemacht haben. Meist wird aber der Bildhauer Johann Joachim Kändler (1706-1775) als Erfinder der Porzellanplastik genannt. Er wurde 1731 nach Meißen berufen, wo er bis zu seinem Tod als Modellmeister tätig war und auch beim Geschirr die Loslösung von ostasiatischen Vorbildern bewirkte. Zu seinen Kreationen gehören u. a. plastische Randmuster (* Alt-Ozier, * Neu-Ozier). Die Periode unter Kändler gilt als die Blütezeit des Meißener Porzellans.

Nachdem 1769 in Saint Yrieix große Kaolinvorkommen entdeckt und die Erzeugung in * Sèvres sukzessive auf * Hartporzellan umgestellt worden war, verlor Meißen viele Kunden. Einen Aufschwung erlebte das Meißener Porzellan durch die Verbesserung der Produktionsbedingungen, nachdem Direktor Kühn (1833-70) die Erzeugung 1860 aus der Albrechtsburg in neue Gebäude verlegt hatte.

Seit 1723 werden Gegenstände aus Meißen mit einer aus zwei gekreuzten Schwertern bestehenden * Porzellanmarke in * Unterglasurblau bezeichnet. Die Schwerter gehen auf das kursächsische Wappen zurück und wurden im Lauf der Zeit etwas variiert. Als Zusatzzeichen diente 1763-1774 ein Punkt zwischen den * Parierstangen der Schwerter; er wurde 1774-1813 durch einen Stern ersetzt. Die Buchstaben "AR" geben an, dass die Objekte in königlichem Auftrag hergestellt wurden. Andere Porzellanmanufakturen verwendeten in Täuschungsabsicht sehr ähnliche Marken, um ihre Produkte besser absetzen zu können.

R. BEHRENDS, Das Meissner Musterbuch für Höroldt-Chinoiserien. Musterblätter aus der Malstube der Meissner Porzellan-Manufaktur, 1-3, München 1978; R. SEYFFARTH, J. G. Höroldt, Dresden 1981; I. MENZHAUSEN, Alt-Meissen in Dresden (Zwinger), Kat. Berlin 1988; G. STERBA, Meissener Tafelgeschirr. Geschichte, Herstellung, Dekor des berühmten Gebrauchsporzellans, Stuttgart, Leipzig 1989; G. REINHECKEL, Meissner Prunkservice, Stuttgart 1990; R. RUECKERT, Biograph. Daten der Meißener Manufakturisten des 18. Jh., Kat., München 1990.


<< Mehrpassig Meister der Schönen Madonnen >>


Vertiefen Sie Ihr Wissen über Kunst!
Testen Sie unseren Gratisservice Kunstbegriff des Tages. Auf Wunsch erhalten Sie täglich oder wöchentlich per E-Mail einen Begriff aus dem Kunstlexikon geschickt.
Mehr Informationen »