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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Mikroschnitzerei , aus Elfenbein geschnitztes Reliefbild, bei dem einzelne Partien mikroskopisch fein ausgeführt sind, daher die Bezeizeichnung Mikroschnitzerei.

Wegen der manchmal nur Bruchteile eines Millimeters messenden Details wurden Mikroschnitzerei von den Künstlern stets mit einem Abdeckglas versehen. In der Kunst sind keine anderen plastischen Objekte bekannt, die eine derart unvorstellbare Zartheit der Ausführung aufweisen. Sie stellen das Höchstmaß an Feinheit dar, galten schon zur Zeit ihrer Entstehung als Sensation und wurden deshalb Mirabilien oder Wunderdinge genannt. Die schönsten Exemplare entstanden von 1775-1795 im ausklingenden Rokoko und im Klassizismus, als Ausdruck der Vorliebe des Rokoko für das Außergewöhnliche und Kleinteilige.

Mikroschnitzereien werden immer als Bilder bezeichnet, unabhängig davon, ob sie als Wandschmuck konzipiert, als Verzierung in Dosendeckeln eingesetzt oder von Goldschmieden gefasst als Schmuckstücke Verwendung finden. Es ist heute selbst Fachleuten unerklärlich, wie es den Künstlern gelang, beispielsweise Pastoralszenen und ganze Küstenlandschaften mit Segelschiffen, Gebäuden, Bäumen und Menschen in solcher Kleinteiligkeit naturalistisch zu gestalten. Die auf dem Gebiet der Mikroschnitzerei berühmten Künstler waren u. a. für den Wiener Kaiserhof, für Zarin Katharina d. Gr. und für König Georg III. von England tätig. Sie arbeiteten nach der Devise: "Je kleiner und feiner, desto wertvoller." Diese Einstellung entspricht noch ganz dem Geist des Rokoko.

Schon vor mehr als 200 Jahren galten die in der "Maria-Theresien-Brosche" eingesetzten drei Landschaftsbilder (Abb. 1 und 2) als die feinsten Schnitzereien der Welt. Sie stammen von Sebastian Hess (geb. 1733), der mit seinem jüngeren Bruder Paul Johann u. a. in Wien tätig war. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wurden die drei Reliefbilder vom Kaiserhof in Wien erworben und als Schmuckstück gefasst. Da die Mikroschnitzerei nur innerhalb eines relativ kurzen Zeitabschnittes betrieben wurde und nur wenige Künstler sie beherrschten, sind Objekte dieser Kunst Raritäten. Weltweit besitzen nur einige wenige Museen und private Sammlungen Beispiele dieses Superlativs feinster Schnitzkunst. Mikroschnitzreien sind deshalb weitgehend unbekannt und werden von Kunstexperten, ihrer außerordentlichen Feinheit wegen, manchmal irrtümlich mit fernöstlicher Kunst in Verbindung gebracht. In Wahrheit aber stellen sie den Höhepunkt alter europäischer Schnitztradition dar.


>> mehr über Mikrobilder

P. W. HARTMANN, Meisterwerke filigraner Schnitzkunst, in: Die Kunst, 12, 1986, 918-923; P. VOLK, Herrliche Arbeiten des berühmten Hess, in: Kunst & Antiquitäten IV, 1987, S. 82 ff.


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