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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Minotaurus , lateinische Form des griechischen Namens Minotauros, abgeleitet von dem Namen des Königs * Minos und griechisch tauros, "Stier".

Der Sage zufolge war der Minotaurus ein menschenfressendes Zwitterwesen mit Stierkopf und Männerleib, Sohn der kretischen Königin * Pasiphae und eines rasenden Stiers (vgl. * Minos). Minotaurus hauste in einem von * Dädalus erbauten * Labyrinth. Die Athener mussten jährlich sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge als Sühne für den getöteten * Androgeos, Sohn des Königs Minos, ausliefern. Die Jugendlichen wurden in die Irrgänge des Minotaurus gesperrt und von dem Untier verschlungen. Die Segel der auf diesen Fahrten verwendeten Schiffe waren dem traurigen Anlass entsprechend schwarz gefärbt. * Theseus machte sich erbötig, Minotaurus zu töten, und vereinbarte mit seinem Vater, König * Ägeus von Athen, die schwarzen Segel nach gelungener Mission gegen weiße auszutauschen.

In Kreta verliebte sich die Königstochter * Ariadne in den Helden. Theseus versprach ihr, sie nach Athen mitzunehmen, wenn es ihm gelänge, Minotaurus zu besiegen und danach aus den Irrgängen hinauszufinden. * Dädalus, der Erbauer des Labyrinths, riet Ariadne, dem Geliebten einen Wollknäuel zum Abrollen mitzugeben. Anhand des Fadens würde er leicht ins Freie zurückfinden. Nachdem Theseus das Ungeheuer getötet hatte, nahm er Ariadne zwar mit auf sein Schiff, ließ sie aber bei einem Aufenthalt auf Naxos zurück. Hier wurde sie von * Dionysos gefunden, der sie zur Frau nahm. Vor Athen vergaß Theseus, die schwarzen Segel gegen weiße zu tauschen, und verschuldete dadurch den Tod seines Vaters. Ägeus nahm der schwarzen Segel wegen an, dass sein Sohn Theseus ums Leben gekommen sei, und stürzte sich deshalb von einer Klippe ins Meer, das nach ihm "Ägäisches Meer" genannt wurde.

L. COTRELL, The Bull of Minos, London 1954; E. MAREC, Le thème du labyrinthe et du Minotaure dans la mosaïque romaine, in: Hommage Granier 3, 1962; R. v. RANKE-GRAVES, Griech. Mythologie, Reinbek bei Hamburg 1984; F. JUNG, Die Urkönige Perseus, Bellerophon, Herakles u. Theseus in d. klass. u. hellenist. Kunst, München 1988.


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