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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Mondsichelmadonna , Marien-Bildtypus. Die Muttergottes steht auf der Mondsichel und hält das * Jesuskind in ihren Armen.

Über dem Haupt Marias sind oft zwölf Sterne kranzförmig angeordnet, als Hinweis auf die zwölf Stämme Israels. Häufig ist die ganze Gestalt von einem Strahlenkranz umgeben. Darauf beziehen sich die früher gleichfalls üblichen Termini für das Motiv: "Madonna im Strahlenkranz" und "Lichtverklärte Madonna". Das Sujet wird aber auch "Maria vom Siege" bzw. "Unsere liebe Frau vom Sieg" genannt.

Das am 7. Oktober gefeierte und von Papst Pius V. (1504-1572) eingeführte Marienfest dient dem Gedenken an den Sieg der Heiligen Liga gegen die Türken in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Okt. 1571. Mit Bezug auf die Kämpfe mit den Türken gibt es Darstellungen des Mondes mit dem Gesicht eines * Osmanen. Da die Mondsichelmadonna ursprünglich auf die Vision der * Apokalyptischen Frau zurückgehen soll, heißt das Sujet auch "Apokalyptische Madonna". Eine Gleichsetzung der Apokalyptischen Frau mit Maria soll bereits in der illuminierten Schrift "Hortus deliciarum" (Garten der Wonnen) erfolgt sein, die Herrad von Landsberg, der Äbtissin des Klosters Odilienberg im Elsaß, zugeordnet wird. Das verbrannte Original wurde 1175/85 durch eine Nachschrift ersetzt.

Die gesteigerte Marienverehrung der Gotik setzte die Apokalyptische Frau endgültig mit Maria gleich. Im 14. Jh. wurde die Muttergottes meist auf einem mit Gesicht versehenen Vollmond stehend wiedergegeben. (Diese Gestaltung war zur Zeit der Türkenkriege wieder gebräuchlich, wobei der Mond dann mit den Gesichtszügen eines Osmanen dargestellt wurde.) Die nach oben oder unten geschwungene Mondsichel setzte sich erst im 15. Jh. durch; auch sie weist bisweilen ein Gesicht auf. Das Motiv der Mondsichelmadonna erfreute sich im 15. Jh. so großer Beliebtheit, dass auch bei älteren Marienfiguren manchmal eine Mondsichel hinzugefügt wurde.

Im 17. Jh. änderte sich die Darstellungsweise. Zur Mondsichel kam der von einer Schlange - dem Symbol der Erbsünde und des Bösen - umwundene Erdball hinzu. Da Maria einen Fuß auf den Kopf der Schlange setzt, wird das Motiv mit dem Sieg über die Erbsünde und als Hinweis auf die * unbefleckte Empfängnis in Verbindung gebracht. Diese Mariendarstellung wird daher auch * Immaculata, "die Unbefleckte", genannt. Der zweite Fuß Marias steht meist auf der Mondsichel, die nach Hinzufügen der Erde deutlich kleiner ausgebildet ist als früher.

F. HÜBNER, Maria auf der Mondsichel, 1938; E. SIEGFRIED, Maria auf der Mondsichel, Diss. Göttingen 1958.


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